Zum Tod von Andrzej Wajda: DER KANAL (1956)

Andrzej Wajda ist am Wochenende gestorben, im Alter von 90 Jahren. Kurz zuvor hat er noch seinen letzten Film als Regisseur abgedreht. „Wer soll jetzt die großen Geschichten erzählen?“, hat eine Journalistin gefragt – zu Recht. Eine der wichtigsten Geschichten, die er erzählt hat, ist die des Warschauer Aufstandes im Zweiten Weltkrieg, im Film DER KANAL. Hier veröffentliche ich aus gegebenem Anlass eine Manuskriptversion meines Beitrags zu Wajdas Film, erschienen in Klassiker des polnischen Films, herausgegeben von Peter Klimczak/Christian Kampkötter/Christer Petersen (2015).

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«KANAL ist ein filmischer Albtraum»(1), schrieb Filmkritiker Ulrich Gregor nach der westdeutschen Premiere in Köln im Jahr 1958. Mit  «Albtraum» versucht Gregor zu beschreiben, was die Protagonisten in den 96 Minuten des Films durchstehen müssen: Weiterlesen

Bahnhofs-Beobachtung: Mit Kind ins Cockpit

Köln, Hauptbahnhof. Samstagmittag, bewölkt, die Sonne kämpft sich durch die schmutzigen Glasscheiben über dem Bahnsteig. Mein nächster Zug hat 45 Minuten Verspätung. Ich sitze auf dem harten Drahtgeflecht einer der wenigen Bänke am Bahnsteig, direkt neben dem Mülleimer. Durchsagen, Wochenende, Gewusel, Raucher rund um den Aschenbecher.
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Aus der Wissenschaft

Der Gehalt eines Einfalls hat eine gegen Raum und Zeit undurchlässige Schutzschicht.

[Helmuth Plessner im Vorwort zu deutschen Ausgabe von Berger/Luckmann (2010): Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, S. XI]

Filmlese-Empfehlung: Polnische Filmklassiker (in eigener Sache)

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Ein schönes Buchprojekt zu den Klassikern des polnischen Films hat mir jetzt zu einem ersten Ausflug in die Welt der Filmwissenschaft verholfen. Und das im Jahr, in dem es mit „Ida“ den ersten Oscar für einen polnischen Film gegeben hat! In dem Buch werden 25 Filme mit kurzen Beiträgen beschrieben, die als „Klassiker“ aus unserem Nachbarland gelten können.

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Weil ich eine besondere Beziehung zu Andrzej Wajdas Film „Kanał“ habe, hatte ich einen Beitrag über diesen eindrucksvollen s/w-Film vorgeschlagen und dann auch schreiben dürfen. Jetzt ist das Buch nach einem ziemlich peniblen Redigaturprozess erschienen. Herausgegeben von den beiden Cottbuser Medienwissenschaftlern Peter Klimczak und Christer Petersen, zusammen mit Christian Kampkötter (Uni Passau). Die Liste der 25 Filme gibt es hier.

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Mein Prädikat: Für filminteressierte Polen und poleninteressierte Filmophile ein schönes Büchlein fürs Regal, zum Nachschlagen und auf den Stand bringen. Und: Wer irgendwann mal einen polnischen Filmklassiker aus den Jahren 1945-2000 vorstellen muss, z.B. in einem Schulreferat, wird an dem Buch seine Freude haben.

„Ja“ zu Herausforderungen

Konnte gestern Nacht nicht schlafen und habe im WDR deshalb einen Film aus der Reihe „Deutschland, Deine Künstler“ gesehen: Ein Porträt über den Jazz-Trompeter Till Brönner. Er habe vor allem eins gelernt, hat er in diesem Film gesagt:

 

Wenn sich Chancen bieten im Leben, solltest Du vor allen Dingen erst mal zusagen, und dann erst überlegen, wie Du das irgendwie bewerkstelligst!“

Ida hat den Oscar!

Ein polnischer Film in schwarz-weiß, ruhig erzählt in festen Kameraeinstellungen und noch nicht einmal volle 90 Minuten lang, bekommt im Jahr 2015 den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film! Völlig zu Recht. Hier hatte ich schon über den Film und mein Gefühl geschrieben, dass es was werden könnte, mit Ida & Oscar. Mein Gefühl nat mich nicht getäuscht. Herzlichen Glückwunsch! Gratulacja! In unserem Nachbarland wurde die Nachricht natürlich euphorisch aufgenommen.

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Ida und Oscar?

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Ein Film, der manchmal als „kleiner Film“ beschrieben wird, könnte aus der Oscar-Nacht am 22. Februar als großer Gewinner hervorgehen: „Ida“ von Regisseur Paweł Pawlikowski hat es unter die Nominierten in gleich zwei Kategorien geschafft: Bester nicht-englischsprachiger Film und beste Kamera. Der Grund dafür, dass manche Journalisten den Film „klein“ nennen, liegt wohl an seiner ruhigen, aber intensiven Erzählweise, vielleicht an den stilistischen Eigenheiten: Schwarz-weiß, gerade einmal 80 Minuten lang, keine Kamerabewegungen, nur feste Einstellungsgrößen, ruhige Bilder. Ich finde: Ein ganz großer „kleiner“ Film.

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