Social-Media-Storytelling mit Storify

  1. „Das probiere ich doch gleich mal aus“, dachte ich mir, als die vom Grimme Online Award mich fragten, ob ich was über Storify machen kann. Hier also meine erste Storify-Story – mit der Bitte um eigene Erfahrungen/Kommentare ganz unten! 

    Kuratieren, so höre und lese ich überall, ist der Trend im Onlinejournalismus. So sehen es auch  die, die sich wirklich auskennen, wie zum Beispiel der Hamburger Journalist und Online-Trainer Claus Hesseling (@the_claus). Und wenn über Kuratieren, also das Sammeln, Aussuchen und Darstellen von Netzfundstücken, geredet wird, dann ist ganz schnell auch von Storify die Rede. Jan Eggers spricht in diesem Zusammenhang sogar von Stream-Journalismus und sieht Storify als ideales Werkzeug für die Live-Berichterstattung im Netz.
  2. Dafür, dass dieses Tool für Social-Media-Stories gerade so viel Wirbel macht, ist das Unternehmen dahinter ganz schön klein und jung: Vor drei Jahren kam der Belgier Xavier Damann nach seinem Informatikstudium ins Silicon Valley. Eigentlich wollte er Publitweet  entwickeln, eine Art Twitterwall für Webseiten. Doch während sein ursprüngliches Projekt Publitweet noch im Beta-Modus auf den Durchbruch wartet, ist Storify inzwischen in aller Munde. Auf der übersichtlichen Webseite von Storify sieht der User eine Handvoll Menschen, die an der Verbesserung und Verbreitung des Tools arbeiten, Sitz der Firma: San Francisco, Kalifornien. Die beiden Köpfe und Gründer des Unternehmens sind  Xavier Damann (der sympathische junge Mann rechts) und der Amerikaner Burt Herman, ein ehemaliger Journalist für die Nachrichtenagentur associated press (ap). Hier erzählen sie über die Geschichte von Storify:
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    The story behind Storify, new real-time curation service
    Sat, Nov 20 2010 20:46:03
  4. So jetzt habe ich auch schon mein erstes YouTube-Video eingebunden – wirklich einfach. Vom Prinzip erinnert mich Storify ein bisschen an Blogging-Software. Gut finde ich, dass das Suchen und Sammeln von Informationen bzw. Informationsfetzen, z.B. Tweets, Videos, Facebook-Einträge, Fotos sehr intuitiv funktioniert, indem man in der rechten Spalte sucht und dann per „drag-and-drop“ in die linke Spalte, also die Timeline, zieht. Später kann ich dann auf der linken Seite strukturieren und die verschiedenen Elemente verschieben (Tafel-Prinzip). Das würde ich hier ganz gerne per Screenshot zeigen, aber das geht anscheinend nicht – jedenfalls hab ich den Weg, um Fotos oder Dokumente von der eigenen Festplatte einzubauen, noch nicht gefunden. Es muss wohl alles im Social Web vorliegen, was hier eingebunden werden soll.  Was aber wirklich nervt: zweimal habe ich die Story bisher auf „halber Strecke“ verloren, weil die automatische Speicherfunktion irgendwie nicht richtig funktioniert. Außerdem verlieren manche Worte ab und zu ihre Verlinkung wieder.
  5. Einige Redaktionen setzen Storify inzwischen auch ein, z.B. bei der Berichterstattung über Unwetter oder große regionale Ereignisse, bei denen auch Tweets, Fotos und Internetseiten von Bürgerinnen und Usern eingebunden werden. Anstatt einer Aufzählung von verschiedenen Journalisten und Redaktionen, die Storify einsetzen, will ich das Beispiel von Travis Heying (@travisheying) vom Wichita Eagle in Kansas (USA) zeigen. Der Pressefotograf hat eine ganz einfache, kleine Geschichte von der Rettung eines Hundes mit Storify festgehalten – ein packendes Beispiel, wie ich finde.
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    Wichita fire crews stage dramatic rescue to save trapped dog in creek | Wichita Eagle
    Thu, Apr 12 2012 22:20:15
  7. Übrigens war das die erste StorifyGeschichte von Travis und man sieht gut, worauf es ankommt: Kurze, knackige Text-Bausteine, die die Handlung weiterführen, zwischen den Bildern! Die Fotos hat Travis auch nicht von seiner Festplatte eingebunden, sondern erst auf twitpic hochgeladen, um sie einbinden zu können. Mir kommt beim Schreiben jetzt der Gedanke, dass die Geschichten auf Storify nicht zu lang und ausufernd sein sollten (wie meine). Was ist wohl die perfekte Länge für Storify, die perfekte Anzahl von eingefügten Zitaten, Videos und Links? Jedenfalls sehe ich die Gefahr, dass die Ablenkung gegenüber der Lenkung der Aufmerksamkeit überwiegt. Das Konzept von Storify ist laut Xavier Damann „to find meaning in the noise“. Xavier ist der Meinung, dass es Zeit wurde für Storify, weil durch Social Media jeder zum Reporter wird und dies einfach zu viel „noise“ verursacht. Mit Storify will er die interessanten Geschichten in diesem Rauschen finden und hervorheben. Das Tool nutzen übrigens nicht nur Journalisten, sondern z.B. auch Wissenschaftler, die meist das Konferenz-Getwitter „storifyzieren“.
  8. Hier ein Beispiel für den Live-Einsatz von Storify: Der Kollege Fiete Stegers (@fiete_stegers) von onlinejournalismus.de hat über eine Konferenz zum Thema Datenjournalismus „live“ berichtet…
  9. So, jetzt habe ich inzwischen drei andere Storify-Stories in meine Geschichte eingebunden. Auch kein Problem. Das Suchen in der rechten Spalte war anfangs etwas ungewohnt, weil man nochmals zwischen der Suche in „User“, „Story“ und „Bookmarklet“ auswählen muss. Aber da gewöhnt man sich dran. Was ich noch nicht geschafft habe: Eigene Bilder – Screenshots wären ganz sinnvoll gewesen – einzubauen. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp? Während meiner Recherche finde ich bei netzwertig.com einen Text von Martin Weigert über die Urheberproblematik beim Kuratieren mit Storify.
  10. Da es hier um das Thema „Urheberrechte“ und Storify geht, wollte ich in diesem Fall doch auf Nummer sicher gehen.  Wie gut, dass ich meine Twitter-Anfrage an Martin Weigert dokumentieren kann.
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    @martinweigert Hallo, ich schreibe für bit.ly/HE5uq4 über Storify und würde gern ihren Text „Kuratieren,…“ einbauen. OK?
    Thu, Apr 12 2012 04:30:50
  12. Sechs Minuten später antwortet Martin Weigert mir:
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    @ruppmax Verlinkungen bzw. Zitierungen gern.
    Thu, Apr 12 2012 04:36:50
  14. Also brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich auf ihn verweise. Und auch die anderen Hinweise und Zitate dürften (hoffentlich) rechtlich unproblematisch sein. Das Social-Web ist nun mal öffentlich und durch Tools wie Storify nochmal selbstreferentieller geworden.
  15. So schön einfach und eindrucksvoll manche Storify-Geschichten sind, mir stellt sich die Frage: Ist das überhaupt Journalismus? Der am Anfang zitierte Claus Hesseling ist der Meinung, dass es unbedingt Journalismus ist, weil zwei Hauptarbeitsschritte von Journalisten mit Storify vollzogen werden: Recherche und Auswahlvon Zitaten und Material.

    Ach ja. Ich habe Online-Experte Martin Weigert auch noch nach seiner Einschätzung von Storify gefragt:
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    @ruppmax Prädikat nützlich und zweckmäßig
    Thu, Apr 12 2012 04:50:40
  17. Nützlich für das Sammeln und Sortieren von Social-Media-Quellen ist Storify, das sehe ich auch so. Es ist allerdings im deutschsprachigen Raum noch nicht so verbreitet, dass sich eine Kulturpraxis des Geschichtenerzählens mit Storify herausgebildet hat. Beim ersten Versuch habe ich gemerkt, dass ich das Werkzeug sehr klassisch-journalistisch verwende, mit viel Erklärungen zwischendurch. Die bewegenden, interesssanten Geschichten – siehe Hunderettung – sind aber einfach und kurz erzählt, mit tollen Bildern bzw. Videos oder Tweets. Bei der nächsten Hunde-, Katzen-, Rinderrettung der Feuerwehr bin ich dabei – auf Storify.
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