Crowdsourcing: zwischen investigativ und crowdgesourcter PR

Gerade hab ich für das Blog des Grimme-Online-Awards zum Thema Crowdfunding und Crowdsourcing im Journalismus recherchiert. Dabei bin ich zu dem (vorläufigen) Schluss gekommen, dass sich diese netzbasierte Art der Finanzierung durch den Schwarm der Zahlungswilligen im deutschsprachigen Raum noch nicht so richtig durchgesetzt hat.

Gutes Crowdsourcing? Labor in der Schweiz

In St. Gallen (Schweiz) wird allerdings eifrig an der ersten Crowdfunding-Plattform für deutschsprachigen Journalismus gebastelt. Und es gibt auch Beispiele auf den zahlreich vorhandenen allgemeinen Crowdsourcingplattformen, wie startnext.de, mysherpas.com oder visionbakery.com. Einige Protagonisten der Internet-Szene sehen auch gute Chancen für den Einsatz von Crowdfunding und Crowdsourcing bei investigativen Rechercheprojekten: z.B. Stefan Hertach, der Mann hinter mediafunders.net, oder der Mitgründer des GuttenPlag-Wiki, PlagDoc in seinen „Schwarmgedanken“. Ganz eindringlich für investigatives Crowdsourcing setzt sich der Berliner Datenjournalist Lorenz Matzat ein, in seinem Text über das Versagen des (Online-)Journalismus in der Sache „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU).

Ich bin da ja ein bisschen skeptisch, weil das Öffentlichkeits- und Transparenzprinzip bei Crowdsourcing- oder -funding der Rechercheregel „von außen nach innen recherchieren“ prinzipiell entgegensteht. Im Grimme-Blog-Beitrag habe ich das ein bisschen weiter ausgeführt. Jedenfalls kann es eine spannende und gesellschaftlich lohnende Aufgabe für Crowdfunder, Programmierer und Journalisten sein, eine wirklich funktionierende (und dann wohl anonyme) Plattform für investigatives Recherchieren in der Crowd zu entwickeln.

Nachtrag A (15.7.2012): Habe gerade gesehen, dass der geschätzte Paul Bradshaw aus UK schon im Jahr 2009 eine Plattform gegründet hat, die sich dem „invstigative crowdsourcing“ intensiv widmet. Finanziert wurde das ganze übrigens u.a. aus dem Topf eines Channel-4-Fonds! Hallo Deutschland: Wo bitte bleibt RTL…oder n-tv?

Schlechtes Crowdsourcing? Ranksider und Co.

Doch während diese Plattformen vielleicht gerade in irgendwelchen Hack-Camps und Hinterstübchen entwickelt werden, bekommt eine (Ab-)Art des Crowdsourcings und -fundings schon regen Zulauf: Wenn ich es richtig verstanden habe, funktioniert ranksider.de so, dass Firmen, Konzerne, Organisationen hier einen Auftrag zum Schreiben von Blogbeiträgen an Blogger und Journalisten einstellen können, der zum von den Firmen vorgegebenen Preis dann von „Bloggern“ geschrieben wird und auf deren eigentlich unabhängigen Seiten erscheint. Inklusive Verlinkung zum entsprechenden Produkt. Im Ranksider-Firmensprech klingt das so:

„Werbetreibende (Advertiser) registrieren sich auf dem Self-Service-Marktplatz und starten kurze Zeit darauf ihre Kampagnen mit einem festgelegten Gesamtbudget. Die „Meinungsmacher“ werden durch RankSider über die Kampagnen informiert und können hierfür Gebote abgeben. Advertiser wählen die jeweils passenden Gebote und vergeben schließlich den Auftrag an die Auftragnehmer.“

Hier wächst aus meiner Sicht zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört: PR und unabhängige Blogger-Meinung bzw. PR und Journalismus. Und wenn man dieser PR-Meldung glauben kann, dann boomt der PR-Crowd-Marktplatz geradezu. Naja. Was mich wieder versöhnlich stimmt: Crowdfunding kann auch für sinnvolle Anliegen eingesetzt werden, z.B. um eine Klage gegen die Verwertungsgesellschaft VG Wort zu finanzieren. I like.

Nachtrag B (15.7.2012): Auch in der Schweiz habe ich eine Seite gefunden, die oben angesprochene versteckte PR steht. Sobald ich die Seite wieder finde, verlinke ich sie hier“

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2 Gedanken zu “Crowdsourcing: zwischen investigativ und crowdgesourcter PR

    1. Hallo H-D Zimmermann, vielen Dank für den Hinweis. Aber viel erfahre ich auf der „Mag20“-Seite ja noch nicht über das Konzept…geht’s in Richtung crowdgesourcter Journalismus?

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