Olympia-Abschluss: „Social-Media-Waterloo“ der ARD und ein Selbstversuch

Während der Live-Übertragung der Olympia-Abschlussfeier am Sonntagabend erlebte die ARD auf ihrer Facebookseite und auf Twitter eine Art „Social-Media-Waterloo“. 

In einem Shitstorm, der länger als zwei Stunden anhielt, beschwerten sich hunderte Zuschauer über die Moderation von Tom Bartels, Franziska van Almsick und Rolf Seelmann-Eggebert. Grundtenor: Klappe halten, vor allem wenn die Popstars aus UK singen. In einem Beitrag auf Handelsblatt Online stellt sich Steffen Meyer die Frage, ob diese Empörung in den Kanälen von Social Media vielleicht sogar dafür verantwortlich war, dass die Moderatoren mit fortschreitender Zeit immer zurückhaltender wurden. Also die so oft beschworene Verknüpfung von Social Media und TV – und das im öffentlich-rechtlichen, ganz spontan. Nach Anfrage bei der ARD bekam er jedoch die Antwort, man habe sich sowieso in der Redaktion dazu entschieden,

„…schon früh darauf hinzuwirken, dass die Musiktitel freistehen und nur kurz gesagt werden soll, wer singt.“

In den Strom der Entrüstung hatte sich am späteren Sonntagabend dann auch der oberste TV-Kritiker Oliver Kalkofe eingebracht. Er nennt es allerdings einen „Kalkstorm“, der über die ARD kam. Bis jetzt (Montagabend, 22.15h) sind auf der Facebook-Seite der ARD jedenfalls 537 Einträge zu zählen. Im Vergleich zur Beteiligung an den anderen Themen der ARD-Facebookseite eine stolze Zahl, wobei auffällt, dass das ARD-Team sich selbst nur drei oder viermal einmischte, um auf die Netiquettte hinzuweisen oder zu bestätigen, dass die immense Zahl an Beschwerden über das Dauer-Gequatsche an die „FernsehkollegInnen“ weitergegeben werde wurde. Also hatte die Live-Kritik vielleicht doch eine Wirkung!?

Auf Twitter entbrannte parallel ein ähnlicher Sturm der Entrüstung, sobald einer von den drei Kommentatoren den Mund aufmachte. Hier nur ein Tweet als Beispiel für viele recht deftige Kommentare:

@BorisTKaiser: War das schön, als Franzi van Almsick noch die meiste Zeit mit dem Kopf unter Wasser war…#Olympia #ard

Eggebert und Bartels bekamen natürlich auch ihren Teil ab, wer will kann sich ja nochmal durch den Hashtag #ard bei Twitter klicken. Die ARD hat während der Abschlussveranstaltung in London übrigens auch selbst zum TV-Twittern aufgerufen:

Tweet von der ARD-Sportschau
„Teletwittern“ bei der ARD

Tweets, mit dem Hashtag #ard777 versehen, wurden über die Videotextseite 777 in ein Fenster ins laufende Programm eingeblendet. Ich habe da gestern spontan einen Selbstversuch gemacht, ob sanfte Kritik –  im Shitstorm war die wie oben zu sehen in viel größerer Intensität zu lesen –  auch auf den Bilschirm kommt. Hier mein Tweet:

@ruppmax: moderatoren-team hält sich jetzt wohltuend zurueck. Brian May rockt das Stadion #ard777
Also eigentlich habe ich die Kritik noch in einem Lob verpackt, nämlich dass sich das Mod-Team jetzt wohltuend zurückhält. Und? Was denkt ihr? Konnte ich meinen Tweet auch auf dem Fernsehschirm sehen? Auflösung kommt…nach 10 fünf Kommentaren!
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3 Gedanken zu “Olympia-Abschluss: „Social-Media-Waterloo“ der ARD und ein Selbstversuch

      1. Okay, auch wenn wahrscheinlich nie zehn Kommentare zusammenkommen, hier die Auflösung:
        Mein Tweet mit dem Inhalt „Moderatoren-Team hält sich jetzt wohltuend zurück. Brian May rockt das Stadion. #ARD777“ erschien NICHT im Videotext der Live-Übertragung. Die filternden Social-Media-Redakteure fanden meine Bemerkung wohl zu kritisch…

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