Gespräch mit Holger Kreymeier, Teil 2

Hier also der zweite Teil des Gesprächs, das ich mit Holger Kreymeier von fernsehkritik.tv Anfang Januar in Cottbus führen konnte. Ich erinnere mich noch, dass er nach dem Gespräch immer wieder gebannt auf sein Smartphone schaute, weil er gerade die Folge 106 seines Bewegtbild-Magazins online gestellt hatte. Am Abend unseres Gesprächs ging es los, mit der Kommentarflut zu seinem Interview mit Freiwild, der umstrittenen Band aus Südtirol. Holger sagte: „Oha – das scheint ja zu polarisieren! Die einen finden das Interview gut und die anderen sagen: ‚Wie kannst Du das nur machen‘?“. Leider habe ich vom Freiwild-Interview  erfahren, nachdem unser Gespräch schon aufgezcichnet war. Sonst hätte ich ihn dazu geren befragt.

Ich persönlich sehe das Agieren und Umfeld solcher Bands skeptisch. Vor allem, wenn eine eindeutige, unmissverständliche Distanzierung von rassistischen, (neo)nationalistischen Weltbildern und Gedankenwelten nicht stattfindet. Leider gibt es da auch bei uns in Deutschland ein paar Beispiele. z.B. wandelt der aus Cottbus stammende Rapper Dissziplin („Patriot„) erfolgreich auf einem schmalen Grad zwischen ost-deutscher Heimatliebe, ostdeutschem Stolz und Anbiederung bei klar demokratie- und verfassungsfeindlichen Gruppierungen, die es gerade in Ostdeutschland zuhauf gibt. Fakt ist, dass Menschen aus nationalistischen Bewegungen und Gruppierungen seinen Rap als gern gehörten Soundtrack zur Bestätigung ihrer Haltung nutzen. Die Distanzierung von solchen Gruppen in den Songs scheint dabei inzwischen eine identitätsstiftende Geste für die Szene  zu sein. Dazu aber vielleicht später einmal mehr, denn das schweift zu sehr ab. Das Interview von Holger mit den Bandmitgliedern von Freiwild ist jedenfalls auch aus meiner Sicht zu unkritisch. Aber es ist wiederum gut, dass in den Kommentaren und in anderen Blogs sowie bei Endstation Rechts eine Diskussion über den Umgang mit Freiwild beginnt. Kann gern auf andere Beispiele ausgeweitet werden.

Zum Thema: Ich habe Holger Kreymeier als einen engagierten Medienkritiker kennengelernt. Er hat mir erzählt, dass er mal ein Soziologie-Studium in Hamburg angefangen hat. Das hat er allerdings vorzeitig beendet, weil es ihm dann zu theoretisch und abgehoben war. Also stürzte er sich in die Praxis des Journalismus und in die Praxis der Medienkritik. Und das war wohl ein guter Schritt, denn das macht er mit Erfolg und mit Biss. Man muss, glaube ich, verstehen, dass er sich das alles selbst erarbeitet hat. Seine teils bissige Art gehört dabei zu ihm und ist ein Erfolgsfaktor von fernsehkritik.tv. Mit Sicherheit ist er auch mutig. Denn wer traut sich schon, sich vor Gericht mit Sendern wie RTL, mit der Supernanny oder NeunLive (✝) anzulegen. Er hat das alles durchgemacht und dabei Erfolge gefeiert und Niederlagen eingesteckt. Wohl auch aufgrund seiner Geschichte lässt er sich von Shitstorms und Gegenwind nicht so leicht beeinflussen und runterkriegen.

Wer hier nicht gucken will, kann auch auf YouTube schauen.

Im zweiten Teil des Interviews reden wir über:

– Den anhaltenden Reality-TV-Boom

– Die mangelnde Innovationsfähigkeit der deutschen TV-Sender

– Den Zustand von Medienkritik und Medienjournalismus

– Die Notwendigkeit von Medienkunde an Schulen

Viel Spaß!

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8 Gedanken zu “Gespräch mit Holger Kreymeier, Teil 2

    1. Ja, da hast Du wohl Recht. Allerdings hat Holger das ja in Folge 107 schon gemacht. Mal schauen, wer mir noch so einfällt. Muss ja auch nicht immer um die Rundfunksteuer…äh den Rundfunkbeitrag gehen!

  1. Interessantes Interview, danke! :)

    Die Achsensprünge stören mich weniger. Man muss ja sowieso nicht die ganze Zeit zugucken. Dieses Interview hätte genauso gut als Audio-Podcast funktioniert. :)

  2. Tolles Interview, aber leider ständig diese störenden Achsensprünge und das überbelichtete Bild der zweiten Kamera

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