„Kein Foto ist ein Leben wert!“

Interview mit Bruce ShapiroExecutive Director des Dart Centers for Trauma & Journalism in New York

Vor 20 Jahren saß er mit Kollegen in einem Café in New Haven, als ein Mann hineinkam, plötzlich ein Messer zückte und begann, die Gäste damit abzustechen. Auch Bruce erlitt schwere Verletzungen. Seit diesem Vorfall kümmert sich der Journalist intensiv um traumatische Situationen und die Berichterstattung darüber. Unter dem Titel „Kein Bild ist ein Leben wert“ habe ich im im Medienmagazin Journalist (November 2012) schon einen kurzen Auszug aus dem Skype-Interview mit Bruce publiziert. Aus Platzgründen konnte ich damals nur einen Bruchteil des Gesprächs verwenden. Jetzt gibt es das ganze Interview, das ich per Skype geführt habe.

Bruce ist einer der profiliertesten Gesprächspartner weltweit, mit unglaublich viel Erfahrung auf dem Gebiet „Journalismus & Trauma“. Ich habe das Gespräch im Oktober 2012 geführt, als er zu Hause in New York war: Eigentlich war es nicht zur Verwendung im MaxMedienBlog gedacht, deshalb z.B. habe ich Bruce auch nicht gebeten, seine Webcam anzuschalten. Er ist also nur als Ton zu hören, aber wenigstens als Standbild zu sehen. Das Thema Journalismus und Trauma und seine Ausführungen sind jedenfalls so relevant und interessant, dass ich das Gespräch gerne auf meinem MedienBlog nach und nach veröffentliche, auch wenn es technisch nicht perfekt ist. Das Thema ist im  deutschen Journalismus und in der Journalistenausbildung noch unterbelichtet, obwohl das Dart Center mit seiner Dependance in Köln daran arbeitet, Sensibilität für traumatische Situationen und Erfahrungen in die Redaktionsstuben und -köpfe zu bringen.

Und das ist wichtig, denn es kann jede Journalistin und jeden Fotoreporter in jeder Lokal- und Regionalredaktion eines jeden Mediums jederzeit treffen: Ein Ereignis mit traumatisierten Menschen, ein Unfall oder eine Katastrophe wie die Loveparade oder das ICE-Unglück von Eschede – durchaus mit dem Potential einer Traumatisierung auch der journalistischen Profis. Am Institut für Journalistik der TU Dortmund haben wir in meinem letzten Semester zusammen mit Claus Eurich und Tobias Schweigmann ein didaktisch sehr anspruchsvolles und für uns sehr aufschlussreiches Seminar zu diesem Thema angeboten und durchgeführt. Auch darüber in nächster Zeit mehr. Jetzt aber erstmal hoffentlich interessante (und verstehbare) 15 Minuten im Gespräch von Bruce Shapiro und mir. Die Themen, die wir ansprechen, chronologisch:

  • Die psychologische Belastung von Bürgerreportern/citizen journalists in traumatischen Situationen
  • Unterstützung für citizen journalists und Blogger in eskalierenden Situationen, z.B. die Proteste in Madrid, Athen, Occupy-Camp
  • Die Risiken junger Freelancer im Nachrichten-Wettbewerb
  • Die (wichtige) Rolle der Redaktion bei Hilfe und Unterstützung für Journalisten/-innen

Wenn Bruce von „PTSD“ spricht (im letzten Teil des Interviews), dann ist „Posttraumatic Stress Disorder“ gemeint, zu deutsch „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS).

Nachtrag: Im April 2013 wird das Journalistik Journal mit einem Schwerpunkt „Journalismus und Trauma“ erscheinen. Darin sind einige Eindrücke aus dem oben erwähnten Seminar und ein guter Text von Claus Eurich, in dem er grundlegende ethische Grundsätze beschreibt, die in angespannten, intensiven Berichterstattungssituationen elementar zum Tragen kommen. 

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2 Gedanken zu “„Kein Foto ist ein Leben wert!“

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