Hörzu Reporter: Journalistische Überflieger in der Zeitungskrise?

Alle reden über die Zeitungskrise. Die Hörzu gründet ein neues Reportage-Magazin! Hörzu Reporter aus dem Hause Axel Springer ist gerade zum ersten Mal erschienen. Bei der guten alten Fernseh-Zeitung Hörzu denkt man zwar nicht sofort an ein journalistisches Hochglanz-Magazin, an Recherche, Investigation und packende Reportagen. Aber genau das will das neue Magazin laut Editorial sein: „Eine Mischung aus investigativen Reportagen, exklusiven Porträts und opulenten Bildstrecken“verspricht Chefredakteur Christian Hellmann. Die Aufmachung ist edel und gefällt mir, besonders die Fotostrecken, z.B. von einem Containerschiff-Riesen auf der Reise von Shanghai nach Hamburg.

Allerdings ist das auch nicht die erste Containerschiff-Reportage, die ich zu lesen bekomme. Meine längere Bahnfahrt kann ich aber mit ein paar ganz guten Hörzu-Reporter-Geschichten verbringen, z.B. über die alten Männer der Stasi, die immer noch sehr aktiv sind und sich heute mit Vereinen, Aktionen, Publikationen mehr und mehr einmischen und so ihr einseitiges Weltbild der DDR und des Schnüffelapparats darstellen. Ein Hohn für die Opfer, die auch porträtiert werden und zu Wort kommen. Ein bisschen substanzlos finde ich die reportagige Annäherung an Angela Merkel – nix wirklich Neues. Aber was will man da schon erwarten? Das aufgeklappte Kanzleramt als Grafik kommt mir vor wie eine Verlegenheitslösung, weil sonst nicht so viel Substanz da ist. Auch im Text über soziale Netzwerke „Das Geschäft mit dem Geschwätz“ steckt nicht viel Neues. Dafür hat Hörzu Reporter einen stolzen Preis: 10 Euro für die 226 Seiten.

Was mir so richtig Bauchschmerzen macht – gerade bei diesem Preis – ist das Titelbild: Nico Hofmann auf dem Flugplatz, kurz vorm Einsteigen in eine Lufthansa-Maschine! Darunter die Unterzeile „Überflieger“. Unterwegs mit Nico Hofmann, Deutschlands erfolgreichstem Filmproduzenten. Der Kranich, das Logo, der Schriftzug „Lufthansa“ schön sichtbar. „Besser kann ein Werbemotiv für die Lufthansa  nicht aussehen“, schießt es mir sofort durch den Kopf. Ein bisschen peinlich, denn das hat das Magazin doch wirklich nicht nötig. Oder bin ich durch die Uni und die wissenschaftliche Beschäftigung mit Medien und Journalismus überkritisch geworden? Was sagt ihr, liebe Nutzer? Hier der Titel als Handy-Bild (im Zug gemacht) Schnappschuss aus dem Probe-PDF, das man in Springers Online-Kiosk findet:

Gutes Titelbild oder Lufthansa-Werbung? Hörzu-Reporter-Cover
Gutes Titelbild oder Lufthansa-Werbung? Hörzu-Reporter-Cover
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3 Gedanken zu “Hörzu Reporter: Journalistische Überflieger in der Zeitungskrise?

    1. Vielen Dank für den Link zum Altpapier, in dem das Hörzu-Heft so richtig zusammengefaltet wird!
      Auch zum Guttenberg-Film „Der Minister“ auf SAT.1 ist ’ne Menge in diesem Altpapier zu finden. Notiz an mich: Öfter mal wieder drin rumkramen!

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