Anonyme Schwärme und andere Recherche-Herausforderungen

Im Januar 2013 habe ich mich an einem „Call for Papers“ (APuZ_Call-for-Papers_2013), also einem Aufruf zur Einreichung von Texten, beteiligt. Der Aufruf ging von der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) aus und gab das Thema „Transparenz und Privatsphäre“ vor, was mich als Journalist und Medien-/ Kommunikationswissenschaftler natürlich interessiert. In der Nacht, in der die Einreichungsfrist verstrich, hatte ich den Textvorschlag gerade noch formuliert und per Mail abgeschickt, nachdem ich mir vorher nicht so ganz sicher war – schließlich hat man ja noch anderes zu tun, z.B. eine Dissertation schreiben und ein Medienkompetenzprojekt betreuen.

Anfang des Jahres hatte ich mir aufgrund von anderen Publikationsprojekten rund um die GuttenPlag-Forschung (zusammen mit Julius Reimer) sowieso schon ein paar Gedanken zum journalistischen Umgang mit Privatheit und Transparenz gemacht. Konkret hat mich beschäftigt, wie Journalisten mit anonymen Quellen im Netz umgehen sollen: Zum Einen im Hinblick auf die Verifizierung der Quelle (wer steckt dahinter? Kann ich der Quelle und ihren Infos vertrauen?), zum Anderen habe ich mir aber auch die Frage gestellt, in welchen Fällen Anonymität gewahrt werden soll/muss und wann die Quelle (trotzdem) durch Journalisten genannt werden sollte, getreu dem Motto „Roß und Reiter nennen“ oder „give authority to your story!“. Solche  Entscheidungen im Umgang mit Quellen werden im digitalen Zeitalter von Crowdsourcing, wie z.B. im Fall des GuttenPlag-Wikis, immer drängender. Durch eine solche Plattformen kann eine Person (in den meisten Fällen bis jetzt Politiker) mit vollem Namen und allen Konsequenzen in die Öffentlichkeit und damit in die mediale Schusslinie geraten. Die Organisatoren des Wikis bleiben und blieben bis heute – auf ihren Wunsch – anonym. Die Journalisten haben also „dicht gehalten“ und die Abwägung zugunsten ihrer digitalen, anonymen (bzw. pseudonymen) Quelle getroffen.

Online-Ausgabe von "Aus Politik und Zeitgeschichte" zum Thema Transparenz und Privatsphäre
Online-Ausgabe von „Aus Politik und Zeitgeschichte“ zum Thema Transparenz und Privatsphäre

Zu diesen Gedanken passte dann auch ein Buch aus den USA, das ich gerade gelesen hatte: „On the condition of anonymity“ von Journalismus-Professor Matt Carlson. In diesem Buch beleuchtet er sehr intensiv die Fallstricke im Umgang mit Anonymität durch Journalisten.

Aber zurück zum „Call for Papers“: Insgesamt gab es 56 Einsendungen und sechs Texte wurden schlußendlich genommen, darunter auch meiner. Das freut mich sehr, denn die BpB ist eine gute Adresse, deren Publikationen ich meistens gerne lese, z.B. die Themenhefte (Informationen zur politischen Bildung). Und man kann  von einer halbwegs breit gestreuten Leserschaft ausgehen, denke ich, die Druckauflage liegt bei 70.ooo Exemplaren. Jetzt ist das Werk aber erstmal online erschienen. Das ganze Heft als PDF mit weiteren lesenswerten Texten gibt es hier: APuZ_2013-15-16_online. Nächste Woche dann auch gedruckt, in der Beilage „Aus Politik und Zeitgeschichte“, die der Zeitung „Das Parlament“ beiliegt. Freue mich über Leser/innen und Kommentare!

Diese Texte könnten Sie auch interessieren:

Alptraum Partizipation: Drei kritische Stimmen zum „Mitmach-Wahn“ (quergewebt – Blog von Grimme Online)

Acht Tipps für Journalisten im Schwarm: Für den Umgang mit Wikis und anderen Schwarm-Phänomenen (journalist.de) 

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