Spezialsendungswahn, Teil 2

Heute gab es die dritte Spezialsendung im RBB innerhalb von vier Tagen. Aber die heutige Sondersendung zum kommenden Rücktritt von Ministerpräsident Platzeck geht in Ordnung, die nehme ich aus meiner Kritik dezidiert aus…ähh….naja…auch wenn man sich mal genauer anschauen könnte, ob nicht die Nachrichtensendung Brandenburg aktuell heute schon eine Spezialsendung zum geplanten Rückzug von Matthias Platzeck war. Aber egal. Schwamm drüber, darum geht es mir nicht. So ein aktuelles „Spezial“ mit politischem Hintergrund ist völlig okay. Ich reg‘ mich nur über diese unsäglichen „Wetter-Spezials“ auf, mit immergleichen Bestandteilen und wenig Erkenntnisgewinn/Wissenserweiterung. Und dazu will ich abschließend kurz was bloggen: 

Denn gestern, am Sonntag, gipfelte der Brennpunkt- und Spezialsendungswahn in gleich zwei Sondersendungen zum Wetter zur gleichen Zeit im selben (öffentlich-rechtlichen) System: Im RBB und in der ARD kamen um 20.15 Uhr jeweils 15-minütige Sendungen, extra eingeschoben und extra produziert. Einziges Thema: Wetter! Da weiß man garnicht, wo man zuerst hinschalten soll, ist mein spontaner Gedanke als Zuschauer und Gebührenzahler. Der zweite Gedanke: Machen sich die Anstalten da nicht gegenseitig Konkurrenz? Jedenfalls schien der RBB am Sonntagabend der Verlierer in dieser Konkurrenz gewesen zu sein. Nach der Wetter-Spezialsendung am Freitag schreibt mir Kollege Thomas Bittner, mit dem ich zu meiner RBB-Zeit übrigens gut und gerne zusammen gearbeitet habe, auf Facebook, dass ich von einer „dünkellhaften Ignoranz“ befallen sein müsse, weil doch rund 19 Prozent der zu diesem Zeitpunkt vor der Glotze Sitzenden nicht irren können:

Bildschirmfoto 2013-07-29 um 22.58.24

Mal ganz abgesehen davon, dass mir die Quoten-Argumentation von öff-rechtl. Seite per se nicht passt, hat er natürlich damit Recht, dass es noch schlimmere Beispiele der Verschwendung von Beitragsgeldern gibt. Zum Beispiel die zweite RBB-Spezialsendung am Sonntagabend mit ähnlicher Aufmachung, diesmal aber aus Berlin. Diese Sendung hatte nur einen Marktanteil von 9,9 Prozent (210.000 geschätzte Zuschauer/innen):

Screenshot rbb-text
Screenshot rbb-text

Das kann natürlich viele Gründe haben: Die Zuschauer/innen können die Sondersendungen irgendwann satt haben. Hier aber scheint die Konkurrenz, die sich die Öffentlich-rechtlichen zur gleichen Zeit mit dem gleichen Thema gemacht haben auch ein Grund für den Quotenrückgang im Vergleich zur ersten Sendung zu sein. Das rechtfertigt es in meinen Augen schon, langsam von „Brennpunktisierung“ und „Spezialsendungs-Wahn“ vor allem im Wetterbereich zu sprechen. Und wir Medienjournalisten und Medienwissenschaftler haben so doch auch eine neue Spielwiese, wie Svenja Siegert vom Medienmagazin Journalist und der geschätzte Kollege Julius Reimer auf Twitter resümieren:

Screenshot
Screenshot Twitter @ssvenja
Screenshot Twitter @julius_reimer
Screenshot Twitter @julius_reimer

Wenigstens eine produktive Seite diese Sendungen ;-). Mag sein, dass mein Lamento Abschluss-Wetterbericht jetzt sowieso im allgemeinen „Platzeck-tritt-zurück-Berichterstattungs-Trubel“ untergeht. Aber egal. Wollte das einfach nochmal gesagt haben zum Thema Wetter. Ist ja schließlich immer ein Thema. Spätestens im Winter wieder, wenn der Schnee kommt!

Update [30.7.2013]: Matthias Kohlmaier hat auf sueddeutsche.de einen Beitrag zur ARD-Sondersendung geschrieben, in dem er die schönsten Tweets zum Thema aufgreift.

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