Workshop Recherche-Grundlagen: Tag 1 (UPDATE 10.10.2013)

Vom 1. bis 3. Oktober 2013 leite ich einen Workshop für angehende Journalistinnen und Journalisten an der electronic media school in Potsdam-Babelsberg, meiner ehemaligen Ausbildungsstätte. Fürdie sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Volontärsprogramms praxis4 geht es um eine Einführung in klassische Recherche-Grundsätze, wie „hartnäckig bleiben“, „aktives Zuhören“ oder „von außen nach innen recherchieren“ und um Grundlagen der Online-Recherche.

Hier, im Blog, veröffentliche ich die Präsentationen, die ich im Rahmen der drei Tage gezeigt habe und stehe gern für weitere Diskussionen und Anregungen in den Kommentaren zur Verfügung.

 

Und hier einige Recherche-Grundsätze, die wir nach einer Fact-Checking-Übung und der Analyse von Reportage-Geschichten aus Thomas Leifs Buch „Mehr Leidenschaft Recherche“ aufgestellt haben:

Recherche-Grundsätze nach dem ersten Workshop-Tag
Gute Ausbeute: Recherche-Grundsätze nach dem ersten Workshop-Tag

Juristische Frage zu eidesstattlichen Erklärungen in der Recherche

Eine juristische Frage kam auf, als wir die Recherche-Geschichte „Die Weinkönige“ des ehemaligen Vorsitzenden des Netzwerks Recherche, Thomas Leif, diskutierten. Er hatte sich von Winzern, die nicht mit Namen im Beitrag erscheinen wollten, eidesstattliche Versicherungen geben lassen, auf die er dann anonym im Beitrag verweisen konnte. die er dann in seiner Recherche weiter verwendete. Aus seinem Text geht allerdings nicht klar hervor, ob er in seinem TV-Beitrag für Report Mainz auf die Versicherungen hingewiesen hat oder ob er die gesammelten eidesstattlichen Versicherungen innerhalb der Recherche genutzt hat, um einen Funktionsträger des Winzerverbandes zu einem Statement vor der Kamera zu ermutigen. Nach dem Motto: „Du bist nicht allein, hier habe ich eine Absicherung, auf die wir beide uns berufen können.“

Eine Teilnehmerin fragte, ob diese eidesstattliche Versicherungen im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung als Dokumente eingebracht werden oder gar beschlagnahmt werden könnten. Somit wäre die Anonymität der Winzer ja aufgehoben und der Journalist hätte gegenüber seinen Quellen ein Problem…

UPDATE 10.10.2013: Ein Anwalt, mit dem ich über diese Frage sprach, sagte, dass generell vor Gericht ausgesagt werden muss und auch die Wahrheit gesagt werden muss. Wenn die eidesstattlichen Versicherungen im Film eine Rolle spielen, können sie auch im Gerichtsverfahren, in diesem Fall ein Zivilprozess, als Beweismittel eingebracht werden. Der Anwalt sagte mir noch, dass sich die Winzer mit den Versicherungen dann höchstwahrscheinlich darauf berufen könnten, sich nicht mehr so genau zu erinnern und dass sie vom Journalisten unter Druck gesetzt wurden. Schon ist der Wert der Versicherungen hinfällig und der Journalist hat ein Problem Eidesstattliche Versicherungen, die nicht vor Gericht (oder einem Notar) abgegeben werden, seien zudem nicht so verbindlich und nicht meineidfähig. Also insgesamt würde ich von einer solchen (Recherche-)Praxis in den meisten Fällen absehen. Ich denke, man kommt auch ohne dieses Instrument recht weit, wenn ihr an einem Thema/einer Enthüllung dran seid!

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2 Gedanken zu “Workshop Recherche-Grundlagen: Tag 1 (UPDATE 10.10.2013)

  1. Reblogged this on PC's Pixels and Posts: The Future of Journalism and New Media and commented:
    Research is the base for every good news story. Since most of us are pretty early in our journalism careers at http://www.praxis4.de – we had successful reporter and researcher Max Ruppert give us an introduction. Here are his presentation and thoughts (sorry, in German) from the seminar. If you have any questions, don’t be afraid to ask (him or me).

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