Auto-Dialog

Oh je, heute werden wir einen Dialog üben:

Give and Take

Write a post based on the contrast between two things — whether people, objects, emotions, places, or something else. Write the post in the form of a dialogue!

„Nee, das hatte er jetzt nicht gesagt, oder?“ Flo saß auf dem Beifahrersitz, sein Magen krampfte sich zusammen und er musste sich sehr zusammenreißen, denn sein Körper wollte an allen möglichen Stellen anfangen zu zittern. Aus alter Gewohnheit fuhr sein Vater ihn zum Flughafen, weil er immer das Auto gefahren hatte und Flo solange er denken konnte hinter oder neben ihm saß. Weihnachten war mal wieder vorbei und der Familienbesuch auch. Obwohl sein Vater inzwischen 75 Jahre alt war, fuhr er seinen Sohn eigenhändig zum Flughafen. Flo hätte auch fahren können, dann wäre das Gespräch vielleicht anders gelaufen, dann hätte Hubert aus dem Fenster geguckt und sich vielleicht über die anderen Autofahrer aufgeregt. Aber so fiel er, dieser Satz:

„Mir ist es damals übrigens sehr nahe gegangen, als Anne dir weggelaufen ist! Das fand ich sehr schade“.

Bäm! Das saß. Und dann sagte er auch noch „weggelaufen“! Die ganzen Weihnachtsfeiertage ging es nur um den kleinen Neffen von seiner kleinen Schwester Carola, um die Politik, den Tagesablauf, den öffentlichen Nahverkehr. Aber es wurden keine privaten, persönlichen Gespräche geführt. „Und jetzt das? Warum hat er mir das damals, bei der Trennung nicht gesagt? Warum jetzt, im Auto, zehn Jahre danach?“ Fragen über Fragen türmten sich in den Gedanken von Flo aufeinander: „Nee, Papa. Wieso jetzt? Warum hast du damals nix gesagt, als ich es gebraucht hätte? Warum hast Du damals nix unternommen, um mir zu helfen?“, sagte Flo schließlich in Richtung Fahrersitz.

„Was hätte ich denn machen sollen?“, fragte sein Vater, „du hättest dir doch eh nichts sagen lassen.“ Flo musste sich jetzt wirklich beherrschen. Er wurde richtig sauer auf seinen Vater: „Dann brauchst Du es jetzt auch nicht mehr zu erwähnen“, sagte er trotzig, „das bringt mir doch jetzt auch nichts mehr“. Irgendwie hatte ihn sein Dad mit seinem Satz getroffen. Flo begann innerlich zu zweifeln, ob er über diese Beziehung wirklich schon hinweg war. „Danke dafür, Dad“, dachte er still bei sich. Sein Vater konzentrierte sich jetzt darauf, die Flughafenausfahrt auf der Autobahn zu erwischen. Als er sie gefunden hatte, schaltete er den Scheibenwischer einen Gang höher und suchte eine Begründung für sein Verhalten: „Meine Eltern wollten alles von mir wissen, als ich so alt war wie du, wirklich alles. Das hat mich wahnsinnig gestört. Sie waren viel zu neugierig. Das wollten wir euch ersparen und haben uns nicht eingemischt“, sagte Hubert und schaute länger in den Rückspiegel, um die Spur zu wechseln. „Aha – kann es sein, dass dieses Nicht-Einmischen ins krasse GEgenteil umgeschlagen ist, und ihr euch garnicht mehr für meine persönlichen Probleme, meinen Liebeskummer interessiert habt?“. Hubert wandte jetzt seinen Blick fast mitleidig kurz in Richtung seines Sohnes: „Ach! Schau doch mal, was aus euch geworden ist: Ihr habt studiert, habt Erfolg. So viel können wir nicht falsch gemacht haben. Welche Fluglinie hast du gebucht?“ Sie näherten sich jetzt dem Terminal. Unzählige Schilder kamen jetzt in Sichtweite, auf denen die Airlines die Autos mit Pfeilen zu den jeweiligen Terminals dirigierten. „Austrian“, bemerkte Flo völlig trocken. Er hatte genug. Er verstand die Welt nicht mehr.

Sein Vater kam eigentlich aus der 68er-Generation, wo das Private politisch war und Politik auch privat diskutiert wurde. So war es auch in ihrer Familie gewesen. Was hatten sie nicht für weltpolitische Diskussionen gehabt. Aber eins ist dabei völlig auf der Strecke geblieben: Das Persönliche, das Interesse füreinander und ein liebevoller, verständnisvoller Umgang in Gefühlsfragen. „Es bleibt halt immer was auf der Strecke“, fasste Flo diesen Gedankengang zusammen, als er seine Sporttasche aus dem Kofferraum nahm. „Was meinst Du?“, fragte Hubert noch. Aber die Zeit war zu knapp, um das noch auszudiskutieren. „Nichts. Schönen Rest-Feiertag noch. Und grüß‘ Mama!“, konnte Flo noch sagen. „Guten Flug und laß‘ es Dir in Wien gut gehen!“, rief Hubert seinem Sohn hinterher und setzte sich wieder ins Auto. Es war kalt und der Nieselregen war drauf und dran zum Schneematsch zu werden.

Flo hastete jetzt in Richtung Gate. Das Gespräch ließ ihn nicht los. „Diese Themen kommen immer am Ende dieser beschissenen Besuchstage auf“, dachte er im Gehen und das machte ihn wütend. Die Fahrt zum Flughafen reichte natürlich nicht, um zu einem Ergebnis zu kommen. Es blieb ein unausgesprochenes, komisches Gefühl, als er sich in die Schlange des Sicherheits-Checks stellte. Er beschloss, das alles mal aufzuschreiben und es Hubert zu schicken. Diese unbefriedigenden Gesprächssituationen mit seiner Familie hatte er jedenfalls reichlich satt.

Das gute alte Grundmodell der Kommunikation von Karl Bühler
Das gute alte Grundmodell der Kommunikation von Karl Bühler, auch Organon-Modell genannt (1934)|Screenshot aus Wikipedia
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