Von der Unmöglichkeit, im Leben zu landen

Vor zehn Jahren ist er abgehoben – und bis heute nicht gelandet. Damals ging er auf seinen letzten LSD-Trip, wollte noch ein Mal in ein anderes Universum, in die Unendlichkeit seines Bewußtseins vordringen. Bevor er sich in Therapie und in den Entzug begeben würde. Doch dieser letzte Trip war eine Reise ohne Endstation. Er sagt heute, dass er auf diesem LSD-Trip „hängen geblieben“ ist: Die Rauschzustände kommen immer wieder, obwohl er seit acht Jahren nichts mehr nimmt. In seinem Gehirn läuft dann immer wieder die gleiche Schleife ab, es kommt das schwerelose Gefühl auf, er entschwebt in eine andere Galaxie, ist nicht mehr ansprechbar. Und das ganz ohne Drogen.

Wieso das passiert, versteht der heute 33-Jährige nicht. Er ernährt sich vegan und versucht langsam wieder im Leben anzukommen, hat einen Job bei einer Gartenbaufirma, halbtags. Im Internet nennt er sich Crystalix, seine Story hat er jetzt aufgeschrieben. Die Geschichte von einem, der seine Drogenreise beenden wollte und jetzt trotzdem lebenslang auf dem Trip ist. Die Geschichte eines endlosen Kampfes gegen den inneren Rausch.

Zum Tod von Andrzej Wajda: DER KANAL (1956)

Andrzej Wajda ist am Wochenende gestorben, im Alter von 90 Jahren. Kurz zuvor hat er noch seinen letzten Film als Regisseur abgedreht. „Wer soll jetzt die großen Geschichten erzählen?“, hat eine Journalistin gefragt – zu Recht. Eine der wichtigsten Geschichten, die er erzählt hat, ist die des Warschauer Aufstandes im Zweiten Weltkrieg, im Film DER KANAL. Hier veröffentliche ich aus gegebenem Anlass eine Manuskriptversion meines Beitrags zu Wajdas Film, erschienen in Klassiker des polnischen Films, herausgegeben von Peter Klimczak/Christian Kampkötter/Christer Petersen (2015).

andrzej_wajda_by_kubik_01

«KANAL ist ein filmischer Albtraum»(1), schrieb Filmkritiker Ulrich Gregor nach der westdeutschen Premiere in Köln im Jahr 1958. Mit  «Albtraum» versucht Gregor zu beschreiben, was die Protagonisten in den 96 Minuten des Films durchstehen müssen: Weiterlesen

Filmlese-Empfehlung: Polnische Filmklassiker (in eigener Sache)

Ein schönes Buchprojekt zu den Klassikern des polnischen Films hat mir jetzt zu einem ersten Ausflug in die Welt der Filmwissenschaft verholfen. Und das im Jahr, in dem es mit „Ida“ den ersten Oscar für einen polnischen Film gegeben hat! In dem Buch werden 25 Filme mit kurzen Beiträgen beschrieben, die als „Klassiker“ aus unserem Nachbarland gelten können.

2015-06-01 15.34.232015-06-01 15.34.54

Weil ich eine besondere Beziehung zu Andrzej Wajdas Film „Kanał“ habe, hatte ich einen Beitrag über diesen eindrucksvollen s/w-Film vorgeschlagen und dann auch schreiben dürfen. Jetzt ist das Buch nach einem ziemlich peniblen Redigaturprozess erschienen. Herausgegeben von den beiden Cottbuser Medienwissenschaftlern Peter Klimczak und Christer Petersen, zusammen mit Christian Kampkötter (Uni Passau). Die Liste der 25 Filme gibt es hier.

2015-06-01 15.37.14

Mein Prädikat: Für filminteressierte Polen und poleninteressierte Filmophile ein schönes Büchlein fürs Regal, zum Nachschlagen und auf den Stand bringen. Und: Wer irgendwann mal einen polnischen Filmklassiker aus den Jahren 1945-2000 vorstellen muss, z.B. in einem Schulreferat, wird an dem Buch seine Freude haben.

Ida und Oscar?

Ein Film, der manchmal als „kleiner Film“ beschrieben wird, könnte aus der Oscar-Nacht am 22. Februar als großer Gewinner hervorgehen: „Ida“ von Regisseur Paweł Pawlikowski hat es unter die Nominierten in gleich zwei Kategorien geschafft: Bester nicht-englischsprachiger Film und beste Kamera. Der Grund dafür, dass manche Journalisten den Film „klein“ nennen, liegt wohl an seiner ruhigen, aber intensiven Erzählweise, vielleicht an den stilistischen Eigenheiten: Schwarz-weiß, gerade einmal 80 Minuten lang, keine Kamerabewegungen, nur feste Einstellungsgrößen, ruhige Bilder. Ich finde: Ein ganz großer „kleiner“ Film.

Weiterlesen

Also Texten können sie bei Moleskine:

Capturing reality in movement, glimpsing and recording details,  inscribing the unique nature of experience on paper: the Moleskine notebook is a battery that stores ideas and feelings, releasing its energy over time.

„Moleskine.  The history of a legend“


Silvestergeschenk 2015
Silvestergeschenk 2015

Mein Moleskine

Über Fragen

Zu Weihnachten habe ich das Buch Über das Wetter können Sie auch noch reden, wenn Sie tot sind von der britischen Autorin Olivia Fane verschenkt. Das Zitat stammt aus diesem Buch. Mit ihm beginne ich das neue Blog-Jahr 2015:

„Das griechische Wort für Liebe ist eros, und etymologisch ist es eng verwandt mit dem griechischen Wort für Fragen stellen – eroteao. Mir gefällt das sehr. Es klingt im Griechischen so kraftvoll: Jemandem Fragen zu stellen heißt, begierig darauf zu sein, ihn kennenzulernen, und jemanden kennen heißt, ihn zu lieben.“

(Fane 2014: 13)

Writing Challenge: Soulful Machines

„What’s the most ‚human‘ machine you own?“ – das ist die erste Frage, die mir WordPress stellt. Ich mache mit bei der 101Write-Challenge, im Prinzip eine große, öffentliche Schreibübung für Blogger. Eine Schreibübung, die ich dringend brauche. Werde einen Monat lang täglich einen „Daily Prompt“ mit einem Thema bekommen und dazu schreiben. Es geht mir darum, eine bessere, vor allem kontinuierliche Schreibroutine einzuüben. Die hilft mir dann auch bei meinem Langzeit-Schreibprojekt, der Doktorarbeit. Jetzt aber zum heutigen Thema: „Soulful Machines“.

Weiterlesen