Das Bier-Blog des stern

Manchmal ertappt man sich selbst dabei, wie man innerlich gezwungen auf manche Online-Angebote klickt, bei denen man schon so denkt „Das haben die doch nur gemacht, um mit der Ansprache niedriger Instinkte Abrufzahlen zu generieren“. So ging es mir mit dem Bier-Blog Bier Gewinnt des stern. Mit der Artikel-Überschrift „So wird das Bier in zwei Minuten kalt“ hatten sie mich. Und fünf Minuten meiner Lebenszeit. Aus den fünf Minuten wurden dann 15 Minuten mit Spaß und heftigem Lachen. Aber der Reihe nach: Weiterlesen

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Doppelte Dilettanten

Typisches Tutorial-Video: Selber Bier brauen
Typisches Tutorial-Video: Selber Bier brauen

Gerade höre ich eine gut gemachte Echtzeit-Sendung auf DeutschlandRadio Kultur, Titel: „Lob des Dilettantismus“. In einem Interview wird deutlich, dass das Wort „Dilletant“ von diletto (ital. „an etwas erfreuen“) bzw. dem lateinischen delecto (sich erfreuen, Freude an etwas haben) kommt und jahrhundertelang, bis zum Aufkommen des Bürgertums positiv konnotiert war.

In der Sendung ging es dann auch um den Trend der Do-It-Yourself-Videos im Internet. Vor allem auf YoTube findet man ja zu fast jedem Thema ein Tutorial. Mir kam dabei der Gedanke, dass es es sich bei den meisten How-To-Videos um einen „doppelten Dilettantismus“ handelt: Einerseits sind die Tutorial-Produzenten Dilettanten (im positiven oder abwertenden Sinn) im Fachgebiet, das sie im Video behandeln, z.B. „Bierbrauen“ oder „Handy reparieren„. Andererseits sind sie aber auch keine professionellen Filmemacher. Sie nutzen also die mediale Praxis der Bewegtbildherstellung ganz selbstverständlich, um ihr eigentliches Anliegen rüberzubringen. Das weist aus meiner Sicht darauf hin, dass „YouTuben“ bzw. die Produktion von Filmen und Ho-To-Videos inzwischen immer mehr zur normalen Alltagspraxis wird, die einfach zum digitalen Leben dazu gehört.

Randnotiz: In der Echtzeit-Sendung war auch ein toller Beitrag über den Neueinstieg ins Musizieren, der von einem Besuch beim wunderbaren Jazz-Musiker und Musik-Theoretiker Chilly Gonzales lebt. Zum Podcast der Sendung.

Trauma, Trauer, Traurigkeit

Buchbesprechung „Trauer und Trauma“ von Hanne Shah und Thomas Weber. Kröning, Asanger Verlag, 164 Seiten, 19,80 €.* Eine kürzere Version der Rezension findest Du im Blog Mutterschiff der electronic media school Potsdam-Babelsberg.

Diese drei „T’s“ bilden das Leitmotiv der 164 Seiten und über diese drei „T’s“ erfahren die Leser eine Menge in diesem Buch. Weiterlesen

Das mediatisierte Auto: Du gehst zum Job, Auto kauft ein

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Beim Volvo kann die Frau vom Lieferdienst das Auto per App öffnen. Foto: Volvo

Gerade im Internet- und Kommunikationsmagazin Click auf BBC World gesehen: Ein Volvo, der es seinem Fahrer erlaubt, ihn abzustellen, zum Job zu gehen und per App die Einkäufe zu erledigen: Es funktioniert so, dass ein Lieferdienst beauftragt wird, der vorbeikommt, den Kofferraum mit einem einmal gültigen digitalen Schlüssel selbst öffnet und die bestellte Ware (Milch, Wein, Gemüse, Kaffee, Brot…) reinstellt. Nach Befüllen des Kofferraums kann der Lieferant mit der App das Auto wieder abschließen. Eine gute Sache, die aber wahrscheinlich eher in den offeneren, sicheren Ländern Skandinaviens von Autofahrern in Anspruch genommen wird, wo jeder des Nachbarns Steuererklärung im Internet einsehen kann.

Jedenfalls auch soziologisch interessant, denn hier kommt eine „doppelte Mobilität“ zum Tragen: Die mobile Belieferung des mobilen Vehikels während ich als Fahrer mich wiederum an einen dritten Ort bewegen kann. Und ein weiteres Zeichen dafür, dass die Mediatisierung unseres Lebens in diesem Fall auch das Konzept der Privatheit des eigenen Automobil-Innenraums verändern kann. „My car is my castle“ ist bei dieser Technologie nicht mehr die Maxime. Volvo, so der Moderator der BBC-Sendung, sei übrigens der Hersteller, bei dem die meisten Modelle schon im Internet seien.

2014

Schon ist es da. Und ich habe das Gefühl, 2013 noch gar nicht richtig verdaut zu haben. Deshalb nochmal im Schnelldurchlauf: Trennung von der Freundin, Abschied aus der Lausitz, die neue Stelle an der HdM Stuttgart, Weiterlesen

Auskunftssperre Teil 2: Für Fortgeschrittene

Auch 'ne Möglichkeit für journalistischen Datenschutz: Schnäuzer aus der "Zauberwelt der Maskerade" für 1,99 €
Auch ’ne Möglichkeit für journalistische Investigativ-Arbeit: Schnäuzer aus der „Zauberwelt der Maskerade“

In den Recherche-Workshops ist das Thema „Einwohnermeldeamt“ regelmässig eines, zu dem viele Nachfragen auftauchen. Deshalb hier eine kleine Handreichung zum Thema „Auskunftssperre für Journalisten“. Ich zitiere mal aus dem Schreiben, das ich von der Stadt Stuttgart bekam, als meine Auskunftssperren anerkannt wurden. Unter der Überschrift „Wichtige Hinweise zur Beantragung einer Auskunftssperre“ heißt es da:

„Nach § 32 des Meldegesetzes für Baden-Württemberg (…) darf die Meldebehörde auch an Privatpersonen und private Einrichtungen auf Antrag Auskünfte aus dem Melderegister erteilen. Eine einfache Melderegisterauskunft (Familienname, Vornamen, Doktorgrad und Anschrift) kann regelmäßig ohne besondere Voraussetzungen erteilt werden.“

Oha! Soweit also die Ausgangslage. Weiterlesen

Auskunftssperren beim Einwohnermeldeamt: Teil 1

Der Missbrauch und der Schutz der eigenen Daten – ein Dauerthema in den deutschen Medien Ende 2013. Aber reden auch die Menschen auf der Straße darüber? Ich höre ziemlich wenig über dieses Thema in der Öffentlichkeit. Dabei betrifft es jeden: Schon bei den Einträgen beim örtlichen Einwohnermeldeamt sollten wir viel bewusster und kritischer sein. Wem ist z.B. klar, dass den Meldeämtern ein – wie ich finde – ziemlich weitgehender, frecher Umgang mit unseren Grunddaten, also Familienname, Vorname, Doktorgrad und Anschrift, erlaubt ist? Aber man kann ein wenig dagegen tun: Zwei Arten der Auskunftssperre, die ich selbst gerade durchlaufen habe, stelle ich vor. Wer 2014 zum „Jahr der persönlichen Datenhygiene“ ausrufen will, sollte gleich anfangen: Weiterlesen