Narration

Aktueller Stand: Liebe Teilnehmer/innen,

es hat mich sehr gefreut, dass so viele eine Bewegtbildreportage bzw. ein Bewegtbildporträt in der Arbeitsmappe abgeliefert haben (etwas mehr als 30 Storyboards!). Allerdings bedeutet das auch einen erheblichen Korrekturaufwand!

Da wir für dieses Seminar leider keine Hilfskraft zur Verfügung haben, müssen wir (Judith Weber, Josefine Fehr und ich) das irgendwie neben unseren anderen Aufgaben schultern. Zudem musste ich gerade leider aufgrund einer Krankschreibung für 3 Wochen mit der Computerarbeit aussetzen. Ich bitte um Verständnis, wenn es mit den Noten noch ein klein wenig dauert. Aber bis Mitte Juni 2015 sollten wir durch sein! Und: Keine Angst – die Mappen sind alle im EWS angekommen. ;-) Vielen Dank für das Verständnis und noch ein wenig Geduld!
Max Ruppert

Viel Spaß beim Erstellen Ihres Treatments und Ihres Storyboards!

Eine kleine Geschichte muss ich Ihnen noch erzählen: Diejenigen aus der zweiten Gruppe werden sich erinnern: In der imaginären Redaktionskonferenz hatte ich u.a. folgenden Themenvorschlag eingebracht, den Sie dann auch in der Themenwoche „Fliegen“ haben wollten:

Von der Unmöglichkeit, im Leben zu landen

Friedrich ist vor zehn Jahren abgehoben – und bis heute nicht gelandet. Damals ging er auf seinen letzten LSD-Trip, wollte noch ein Mal in ein anderes Universum fliegen, in die Unendlichkeit seines Bewußtseins vordringen, bevor die Therapie und der Entzug losgingen.Doch dieser letzte Trip war eine Reise ohne Endstation. Er sagt heute, dass er auf diesem LSD-Trip hängen geblieben ist: Die Rauschzustände kommen immer wieder, obwohl er seit acht Jahren kein LSD mehr nimmt. Irgendwo in seinem Gehirn läuft dann immer wieder die gleiche Schleife ab, es kommt das schwerelose Gefühl auf, er entschwebt in eine andere Galaxie, ist nicht mehr ansprechbar. Und das ganz ohne Drogen.

Wieso das passiert, verstehen er und seine Ärzte nicht so richtig. Er ernährt sich heute vegan und versucht langsam wieder im Leben zu anzukommen, hat einen Job bei einer Gartenbaufirma angenommen, halbtags. Die Geschichte von einem, der seine Drogenreise beenden wollte und jetzt trotzdem lebenslang auf dem Trip ist. Die Geschichte eines endlosen Kampfes gegen den inneren Rausch.

Mit freundlicher Genehmigung
Ein aktuelles Foto: Friedrich im Winter 2014/15|Foto mit freundlicher Genehmigung des Abgebildeten

Diese Geschichte kommt nicht von Ihnen, sondern von mir selber. Ich habe Friedrich vor etwa einem Jahr durch mein Blog kennengelernt: Er meldete sich nachts um vier mit einem Kommentar zu einem Blogpost, den ich über den Schwarzweiß-Film „Kanal“ von Andrzej Wajda geschrieben hatte. Da sich sonst so gut wie niemand für diesen Eintrag interessierte, war es für mich jetzt spannend, zu erfahren, wer da nachts um vier einen Text zu „Kanal“ liest. Ich habe mich dann mit ihm getroffen. Er wohnt auch in Stuttgart und er hat mir seine imposante Geschichte erzählt. Bis heute kann er nur vormittags, zwischen 9 und 12 Uhr, Besuch empfangen, weil alles andere ihn überfordern würde. Wir sind in intensivem E-Mail-Kontakt. Hier sind eine paar Zeilen von ihm, die ich vor ein paar Tagen zu seiner aktuellen Situation bekam:

Ich lebe zwar immer noch total in dieser anderen Welt, jedoch hat sich der Trip etwas beruhigt, ich habe mich mit ihm angefreundet, wenn man dass so sagen kann. Landen werde ich wohl niemals, aber ich kann auch so auf dem Trip meine Leben ganz gut unter Kontrolle halten.
Ich kann eben nur Vormittags gut Besuch empfangen, da ich Nachmittags dann öfter mal Reizüberflutung habe und da nicht so gesellig bin und mich mehr dem Trip und dessen Ansprüche kümmern muss.. Daher gehe ich ja auch Vormittags arbeiten..
Ich gehe ca alle 2 Monate zu meinem Arzt, jedoch wurde seit 1 Jahr schon nichts mehr an meiner Medikation geändert, Ich nehme aber seit dem Tag wo ich hängen geblieben bin Medikamente, ohne diese würde der Trip mich sofort überrollen…

Leider sieht er sich nicht in der Lage, vor eine Kamera zu gehen und seine Geschichte zu erzählen. Aber ich arbeite gerade daran, einen anderen Weg zu finden, diese Geschichte zu verarbeiten: Auf jeden Fall in diesem Blog, und evtl. als Buch.

Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, das ich die Geschichte erst einmal ohne Aufdeckung der Hintergründe ins Seminar eingebracht habe. Ich habe das aus drei Gründen getan:

  1. Ich wollte die Geschichte bei Ihnen testen: Ist sie überhaupt interessasnt? Springt sie über eine gewisse Hürde?
  2. Wollte ich mich selbst auch mal testen und herausfordern, inwieweit ich die Aufgaben, die ich Ihnen stelle, auch selbst noch erfüllen kann.
  3. Wollte ich Ihnen an diesem Beispiel zeigen, welche Bandbreite unter dem Oberthema „Fliegen“ möglich ist, wenn man einen Ankerpunkt in der Geschichte findet, der die Thematik in einer Weise aufgreift, die aber nicht zu sehr aufgedrängt oder zu weit hergeholt ist.

Vielen Dank im Nachhinein, dass ich dieses Mini-Experiment machen durfte. Am Ende der letzten Sitzung haben Sie mich ja auch nochmal durch die kleine „Textübung“ zum Einstieg in den Film über die Studentin Alexandra Petrikat herausgefordert. Insofern gehe ich davon aus, dass Sie durchaus offen für solche Experimente sind.

Hier ist jedenfalls das Blog von Crystalix oder Friedrich, das er „Cubensis Connection“ genannt hat. Cubensis ist die Bezeichnung für einen halluzinogenen Pilz, der auch „Kubanischer Kahlkopf“ genannt wird. Er hat diesen Pilz geliebt, damals, als er noch verschiedene Drogen nahm.

Vierte Sitzung (27.1.2015)

Mit dieser Sitzung haben wir den Bewegtbildbereich im Seminar „Narrative Darstellungsformen“ abgeschlossen. Anhand von drei Filmen (Studentin Alexandra Petrikat, Hex, the flying robot und Betongold), die ich als gelungene Beispiele mitgebracht hatte, haben wir nochmal den analytischen Blick auf Bild & Text, Erzählperspektive und -haltung und Kernsatzprinzip gelenkt. Eine kleine Wiederholung zum Anfang (starke und/oder symbolhafte Szene) wurde durch verschiedene Varianten für das Ende Ihres Films abgeschlossen. Hier kommen folgende Möglichkeiten in Betracht:

  • Zirkelschluss: Aufnehmen der Anfangssituation und die Veränderung darstellen, Rückkehr zur Ausgangsfrage
  • Situativ mit der Schlüsselszene: Z.B. Entscheidung über Bestehen/Nichtbestehen einer Aufnahmeprüfung
  • Distanzierter Schluss: Bildlich und auf Textebene springen Sie etwas vom Protagonisten weg und ordnen alles, was wir in den letzten 2-3 Minuten gesehen haben, nochmal in einen größeren Kontext ein.
  • Zusammenfassung: Nehmen Sie am Ende die Gelegenheit wahr, um den Kernsatz nochmal auf den Punkt zu bringen und zu beantworten. Fassen Sie das Gesehene und Geschehene kurz und knackig zusammen, so ein bisschen nach dem Motto „Und die Moral von der Geschicht’…“.
  • Achtung: Vermeiden Sie es zunächst, mit einem reinen (nicht-situativen) O-Ton zu enden. Das schafft meist bildlich Probleme für den Folgebeitrag/die Moderation und vermittelt oft den Eindruck, als ob Ihre Geschichte „in der Luft hängt“.

Zweite Sitzung (13.1.2015): Die Kameraeinstellungen

Wichtig für die Erstellung des Storyboards ist die Beschreibung des jeweiligen Bildes. Dazu gehören Bildinhalt (was sehe ich?), eventuelle Kamerabewegungen (Schwenk, Zoom) und die Perspektive (Frosch-, Vogelperspektive, Augenhöhe). Ganz besonders wichtig ist aber die Kameraeinstellung, manchmal auch Kadrierung genannt. Das folgende Dokument fasst die wichtigsten Einstellungen von Ferneinstellung bzw. Totale bis zur Detailaufnahme zusammen. Bitte ausdrucken, unters Kopfkissen legen und nie wieder vergessen!

Einstellungsgrößen

Das Kernsatzprinzip

Die Treatments sind inzwischen über das EWS hochgeladen. Ein paar von Ihnen haben noch Probleme, Deadlines einzuhalten. Das ist im echten redaktionellen Leben natürlich unverzeihlich. Der Kritikpunkt, den ich am häufigsten bei den nach der ersten Sitzung eingereichten Treatments habe, ist ein fehlender oder unklarer Kernsatz.

DeNeen L. Brown ist Autorin und Reporterin bei der Washington Post. Sie berichtet vor allem über Polizeiarbeit, Bildungsthemen und die Auswirkungen von Politik und Regierung auf die Menschen. Im sehr empfehlenswerten Buch Telling true stories (unbedingt kaufen!) hat sie einen kleinen Beitrag zum Thema To Begin the Beginning geschrieben. In diesem Beitrag illustriert sie sehr schön das, was ich mit „Kernsatz“ bzw. Kernthema einer guten Geschichte meine. Ich zitiere hier einen Auszug aus ihrem Text:

The journalist must decide what larger meaning the stroy represents and lead the viewer/reader to that. Is it about fear? Is it about shame? Pain? Love? Betrayal? Hate? Faith?

As I consider how to begin, I ask myself: What is the story about? What’s the theme? What can I use to place a character quickly in a scene? How can I tempt the reader? How can I allow a reader to enter the subject’s thoughts, share her feelings?“ [Brown 2007: 101]

All dies ist für eine Bewegtbildgeschichte äußerst relevant: Fangen Sie mit der stärksten und aussagekräftigsten Szene an, dann können Sie nicht viel falsch machen. Das Prinzip „in medias res“ schlägt das Anfangsprinzip „ab ovo“ in den meisten Fällen.

Kleiner Vorausblick auf die zweite Sitzung: Ich werde es nicht schaffen, alle Treatments schon zur zweiten Sitzung zu lesen und mit Bemerkungen zu versehen. Wir werden also an einigen ausgewählten Beispielen Treatment-Varianten besprechen und anhand verschiedener Themen das Kernthema suchen.

Einen Teil der korrigierten Treatments kann ich bei unserer nächsten Sitzung am 13.1.2015 schon zurückgeben; die meisten von Ihnen müssten sich aber bitte bis zur dritten Sitzung am 20.1.2015 gedulden. Und noch ein Kritikpunkt an die meisten von Ihnen: Geben Sie nie ein Treatment ohne Ihren Namen (und ohne Ihre Kontaktdaten) ab!

Herzlich willkommen im Januar 2015 und zum Geschichtenerzählen mit bewegten Bildern!

Anfangen möchte ich mit zwei Zitaten zum Thema „Was ist eigentlich eine Reportage?“:

„Reporter schaffen Tatsachennähe, die nicht zur Meinung schrumpft, sondern zur Erfahrung wird.“ (Martin Walser)

„Sie spiegelt ein Stück Wirklichkeit durch ein Temperament.“ (Kurt Tucholsky)

Hiermit ist das Verhältnis von Objektivität und Subjektivität, von Distanz und Nähe angesprochen, das ganz wichtig ist für die Darstellungsform der Reportage. Um es gleich am Anfang zu sagen: Im Bewegtbildbereich, gerade wenn es sich um Formate zwischen zwei und drei Minuten Länge handelt, vermischen sich oft reportagige Elemente mit portraithaftigen Zügen, manchmal auch eher abstrakten, featurehaften Darstellungen. Wenn z.B. eine Stewardess am Prüfungstag für den Job dicht beobachtet wird und man das Resultat der Prüfung am Ende erfährt, dann ist das sicher eine Reportage (Anfang, Herausforderung, Entwicklung, entscheidende Situation, Ende = Ergebnis). Eine solche Reportage trägt aber (hoffentlich) auch portraitartige Züge, da wir als Publikum die Kandidatin hoffentlich ein bisschen kennenlernen.

In der ersten Sitzung haben wir die Grundcharakteristiken von Geschichten nochmal wiederholt: Protagonist, Handlung/Entwicklung, Struktur (Anfang – Entwicklung/Veränderung – Ende), Spannungsbogen, Kernsatz (Anbindung an ein relevantes gesellschaftliches Thema). Danach haben wir die verschiedenen Ebenen besprochen, auf denen wir im Bewegtbildbereich erzählen können, sortiert nach a) Bild und b) Ton. Beim Bild sind wir auf die verschiedenen visuellen Ebenen (Bild in der Gegenwart, Bild als Rückblende oder Vorausblende, Schrift im Bild, Schrift zusätzlich zum Bild produziert) eingegangen und ich habe auf die Gefahr von Text-Bild-Scheren hingewiesen, die gerade beim Auftauchen von Schrift im Bild auftreten können.

Die Voraussetzungen für den Leistungsnachweis und die Bewertungskriterien für den Bewegtbildbereich findet ihr in diesem Dokument:

Bewertungskriterien_Nara_2015

Ein Beispieltreatment, das recht gut bewertet wurde aus einem vorangegangen Seminar findet ihr hier:

Treatmentstoryboard_Gutenachtbus

Und hier der Anmodvorschlag und die ersten Seiten des entsprechenden Storyboards für eure Orientierung:

reportage_gutenachtbus_treatmentstoryboard

Aufgabe: Ein Treatment für einen Film zum Oberthema „Fliegen“

Nachdem die ersten Treatments schon hochgeladen wurden, möchte ich nochmal auf das Kernsatzprinzip hinweisen! Das ist wirklich nicht so einfach, ihr erinnert euch hoffentlich: Er sollte auf die Frage „What’s the story (really) about“ antworten und eine Anbindung an gesellschaftliche Diskurse, Auseinandersetzungen oder auch ein menschlich-psychologisches Phänomen (z.B. Umgang mit geplatzten Lebensträumen) schaffen.


Hallo an alle Teilnehmer/innen im Seminar „Narrative Darstellungsformen“: Alles Gute und viel Spaß und Erfolg mit euren Reportagen, Portraits und Features! Falls ihr hier nochmal vorbeischaut und die ultimative 3-Minuten-Reportage sucht: Ich habe zwar intensiv Ausschau gehalten, bin aber dann zum Schluss gekommen, dass das keinen Sinn macht. Wir müssen in diesem Fall damit leben, dass es viele gute Möglichkeiten gibt, eine Geschichte packend zu erzählen. Die eine, glückseligmachende Vorlage werden wir nie finden. Deshalb macht es auch keinen Sinn, hier etwas als „Einsmitsternchenbeitrag“ hinzustellen. Hoffe auf euer Verständnis. Max.

Hinweise und Links zur Sitzung Nr. 4: Abschluss Bewegtbild

So. Das war er schon, der vierteilige Block „Bewegtbild“ im Seminar „Narrative Darstellungsformen“. Ich finde, ihr habt schon einiges gelernt für den recht kurzen Zeitraum. Im Prinzip ein „kleines ABC des Filmerzählens“. Vielen Dank auch für die vielen eingesandten Treatments und Storyboards, die wir größtenteils schon bearbeitet und kommentiert zurückgeschickt haben. Damit alle etwas davon haben, habe ich hier die wichtigsten Anmerkungen, die wir zu den Storyboards gemacht haben, zusammengefasst:

  • Im Storyboard bitte bei einer Veränderung der Einstellungsgröße durch eine bewegte Kamera die Bildänderung in der linken Spalte anzeigen. Bsp.: HT –> nah
  • Die narrativen Formate Reportage, Feature, Portrait, Dokumentation verschmelzen in der täglichen  TV-Praxis oft. Deshalb haben Reportagen mit nur einem Protagonisten, den ich begleite und kennenlerne, immer auch Portrait-Charakter. Das ist aber nicht schlimm.
  • Zwei generelle Unterschiede für Einstiege:
    • Ab ovo: eher bei längeren Formaten, die eine behutsame Annäherung erlauben
    • in medias res: In der Regel ein guter Einstieg, direkt nach der Anmoderation in eine packende Situation eintauchen
  • und folgende typische Schlüsse für Bewegtbildgeschichten haben wir besprochen:

    • Zirkelschluss bzw. „full circle“
    • Zusammenfasssung des Autors/Autorin: Mit der Kamera & der Erzählhaltung etwas wegspringen und das Gesehene/Erlebte in einen Kontext einbinden.
    • Eine besonders lebendige Schlüsselszene (bietet sich bei allen Prüfungs-/Casting-Storyboards an)
    • Vorsicht bei O-Tönen am Ende: Eher nicht verwenden, sondern die Geschichte selbst zu Ende erzählen.
  • Musikeinsatz: Bitte vorsichtig sein mit extra zugespielter Musik. Sie bringt immer eine zusätzliche Ebene der Künstlichkeit in die Situation und kann schnell klischeehaft wirken („eye of the tiger“, „Der Kommissar geht um“, „Skifoahn“, „Es lebe der Sport“, etc.) Am besten ist es, wenn  die gezeigte Situation ohne den zusätzlichen Einsatz von Effekten und Musik die Zuschauer mitnimmt und sie eintauchen lässt.

Hier das (leicht verfremdete) Beispiel aus einem Storyboard. So könnt ihr das „fernsehtypische“ Texten, nämlich ausdünnen bis hin zu kurzen Schlagworten und sprachlichen „Elipsen“ nachvollziehen. Dabei gibt es natürlich – wie immer – verschiedene Grade der Ausdünnung und Weglassung:

Halbnahe Peter K. macht an den Verkaufsständen unter der Tribüne Fotos seiner Plüschhunde mit anderen Fans oder am Bierstand. Sprecher ab 7“:Derbyzeit im Cottbuser Stadion der Freundschaft. Energie Cottbus gegen Hertha BSC Berlin. Die Zet bis zum Spiel nutzt Energie-Fan Paul zur Pflege seines Fan-Blogs.[Eine Textversion in sehr ausgedünnten, unvollständigen Sätzen]Anpfiff erst in ein paar Minuten. Der erste Beitrag – schon online.  [oder: Nur ein bisschen ausgedünnt]Das Spiel beginnt erst in 30 Minuten. Der erste Beitrag von Paul geht schon online.   Leise Originalatmo im Hintergrund ab 7“ 7“ bis 17“

Gesehen haben wir im letzten Seminar Beispiele aus zoom (ZDF) und den Einstieg in die preisgekrönte Dokumentation Betongold von Kathrin Rothe. In den Beispielen haben wir noch eine neue Erzählperspektive und -haltung kennengelernt: Die Recherche selbst zum Thema machen und den/die Zuschauer/in so „an die Hand“  und mit auf die Recherche nehmen. Das kann helfen, bei bildarmen Themen doch die Möglichkeit zu haben, auf der Bildebene eine Geschichte zu erzählen. Viel Spaß wünsche ich allen beim weiteren recherchieren, reportieren, erzählen, unterhalten!

P.S: Wie versprochen: Wenn ich ein gelungenes Beispiel für eine kurze Bewegtbild-Reportage finde, werde ich hier in den nächsten Tagen einen Link setzen. Also öfters mal reinschauen. ABer nochmal: Die Enstehung einer solchen Reportage für eine Webplattform oder in einem Senderkontext ist nicht mit der intensiven Arbeit über einen längeren Zeitraum wie in unserem Seminar zu vergleichen und entzieht sich daher auch einer Benotung, wie im Uni-Seminar.

Hinweise u. Handouts zur Sitzung Nr. 3 „Perspektive/Haltung“ und „Texten zum Bild“

Am Anfang habe ich die Geschichte der Keramik-Designerin Eva Zeisel in ihrer Industrie-Design-Klasse erzählt: „Paint the most beautiful thing in your mind – you must have thought about it a lot of time!“. Ich hoffe, ihr erinnert euch bei euren journalistisch-erzählerischen Herausforderungen an diese kleine Episode, die zeigt, wie wichtig Begrenzungen und Entscheidungen für eure Geschichten sind. Gefunden habe ich die Erzählung von Evi Zeisel übrigens im tollen Buch How to Write von Pulitzerpreisträger Richard Rhodes.

Bei der kleinen Seminar-Rekapitulation („was ist bis jetzt hängen geblieben?“) haben alle drei Kurse gut das bisher Vermittelte wiedergegeben. Kompliment! Hier noch mal die Stichworte, die den Stoff bis jetzt im Bewegtbildbereich umreißen:

  • Was ist ein Treatment?
  • Was ist ein Storyboard und wie ist es aufgebaut?
  • Einstellungsgrößen und Definition Einstellung und Sequenz
  • Erzählstrukturen erleichtern das Geschichtenerzählen: Wo fängt die Geschichte an, wie und wo hört sie auf?
  • Innere Logik des Stücks: Kernsatzprinzip!!! –> What‘s the story about?
  • Augenzeugenprinzip
  • Bausteine aus dem filmischen (fiktionalen) Erzählen: Könnt ihr verwenden, aber Recherche muss stimmen!
  • Ein guter Protagonist/eine gute Protagonistin ist wichtig, um die Geschichte erzählen zu können.
  • Keine Text/Bild-Scheren!
  • Nicht die Zuschauer überfordern auf den verschiedenen Ebenen der Informationsvermittlung (und -verarbeitung!):
    • Bild,
    • Ton,
    • Musik,
    • Sprechertext,
    • O-Töne,
    • Schrift im Bild,
    • selbst generierte Schrift.

Perspektive & Haltung

  • Wer erzählt die Geschichte? Erzählperspektive erfordert Entscheidungen, beinhaltet Verantwortung!
  • Eine Story wird immer von irgendjemandem erzählt! Im englischen heißt das Voice – was ist das für eine „Stimme“, die mir da etwas erzählt?
  • Die Erzählperspektive ist immer ein Stück „Du“, von Dir selbst, aber ein konstruiertes, sorgfältig ausgewähltes Stück Deiner Person
  • „Voice and point of view shape the frame through which your reader [or viewer] experiences your story.“ (Rhodes 1995: 37)

Voice und Erzählperspektive definieren zusammen, WER die Geschichte WIE erzählt. Dabei haben diese Rahmungen eine wichtige Funktion: Sie limitieren, was der Zuschauer von Dir als Erzähler/in erfährt, eben aus einer (Deiner) spezifischen Sicht. Die konsequente Einhaltung von Voice und Erzählperspektive hilft dem Autor auch dabei, sein Konzept durchzuhalten und Bestandteile der Geschichte auszuwählen. Voice kann man vielleicht am besten mit Erzählhaltung/Sprechhaltung übersetzen.

Wem das Konzept Voice noch nicht klar geworden ist: Überprüft euch selbst einmal, wieviele verschiedene persönliche Voices, also Erzählhaltungen/Sprechhaltungen ihr habt: Ihr bestellt einen Kaffee in einem Café, ihr spielt mit einem kleinen Kind, ihr haltet eine Referat an der Uni, ihr liegt abends mit eurem/eurer Liebsten im Bett, etc. …

Erzählperspektive (point of view) ist da einfacher, es gibt:

  1. Erste Person (ich/wir))
  2. Erste Person indirekt (stream of conscious)
  3. Zweite Person
  4. Dritte Person (er/sie/es // sie)(Gegenwart/Vergangenheit)
  5. Auktorialer/allwissender Erzähler (welche Person ist das eigentlich) Das kleine Städtchen XY ist was ganz Besonderes im Schwarzwald. Nur hier gibt es das: eine Naturquelle. Die Menschen hier sagen, aus diesem Loch im Berg fließt das bester Wasser für Bier. Deshalb gibt es hier auch sechs Brauereien.
  6. „Komisches Wir“ (1. Person Pl.): Meist stellt sich die Frage: wer soll dieses Wir eigentlich genau sein? 

Wenn Perspektive und Haltung klar sind, gibt es sogleich weitere Entscheidungen zu fällen: Struktur, Tonalität, Stil, Rhythmus, Länge, … Es hört einfach nicht auf! ;-)

Einstiegsszenen

Zwei Möglichkeiten, anzufangen: Ab ovo (beim Ei, also von Anfang an) ODER in medias res (mit einer aussagekräftigen Handlung). Mein Tipp: Lieber in medias res anfangen! Zumindest bei 2-3-minütigen Beiträgen.

Texten zum Bild

Eingentlich haben wir das Thema schon seit der ersten Sitzung im Bewegtbildbereich behandelt (Stichwort: Text/Bild-Schere). Und ihr habt es bei den eigenen Versuchen auch schon ganz gut hinbekommen. Hier noch ein paar generelle Ratschläge:

  • Die Geschichte in „Bildern erzählen, die der Text stützt“ (Schulz/Buchholz 1995: 131)
  • „Es ist wie beim Punktschweißen: Der Text muß in kurzen Abständen am Bild festgemacht werden.“ (Orloff/Wachtel 1997: 14)
  • „Die (…) Unsitte, mit einem fertigen, auf Punkt und Komma ausgefeilten Text in den Schneideraum zu kommen, sollte mit deftigen Strafen belegt werden.“ (Witzke/Rothaus 2010: 248)
  • Zum Bild KEINE Adjektive und Bewertungen! Das bitte dem Zuschauer überlassen
  • Sparsam Zusatzinfos geben (kein Redeschwall wie bei der Tagesschau)
  • Es können, aber MÜSSEN nicht immer ganze Sätze (SPOV) sein!
  • OT am Ende: lieber nicht
  • OT am Anfang: Ja, möglich, wenn situativ
  • Nicht ohne Bild texten! (also nicht am Schreibtisch ohne Bildmaterial)

Und wer noch nicht genug hat, hier noch ein paar weitere Hinweise:

    • Text kann Hilfestellung geben/Fokus bilden, wenn das Bild selbst nicht alle Informationen trägt: z.B. „In diesem Haus am linken Bildrand geschah der Mord!“
    • Präzisieren: „Die Tür-Beschläge sind aus Kupfer. Das macht die Eingangstür wertvoll und beliebt bei Dieben….“
    • Die Bedeutung eines Bildes oder einer Situation erläutern für den Fortgang der Geschichte: „Das, was hier im Oktober 1989 geschah,  hat sein Leben auf den Kopf gestellt. “
    • Infos zur Entstehung der Bilder geben (Hintergrund): „Wir durften nur einmal in den Tresorraum, nach 60 Sekunden musste das Kamerateam wieder raus!“ Das sind die Bilder, die wir in dieser Zeit machen konnten.
    • Einordnen: Ort und Zeit! Z.B. Anstatt „Der Berliner Dom in der Mitte Berlins“ – „Die größte Kirche Berlins – der Berliner Dom.“
    • —> Die Infos, die Du im Text gibst, ergeben sich aus der von Dir gewählten GESCHICHTE!

Hinweise und Handouts zum Seminar „Narrative Darstellungsformen: Bewegtbild“ Nr.1.

Hier nochmal die Handouts zum Runterladen:

Bewertungskriterien_Nara

Reportage_Beispiel_Storyboard

Reportage_Beispiel_Treatment

Handout_Einstellungsgrößen

Aufgabe zum 14./15. Januar 2014

Schreibe ein einseitiges Treatment zu einem Thema Deiner Wahl – am besten schon zum „Mappenthema Anfänge“ und bringe es zur Sitzung mit. Du wirst es mit einem/einer Kollegen/in besprechen, um es dann verbessern oder verändern zu können. Anna Carina steht als erfahrene TV-Autorin für Fragen bereit.

Zu dieser Stunde sollst Du außerdem das Beispiel-Storyboard eingehend anschauen und folgende Fragen dazu beantworten:

Was ist gut daran? Was fällt auf?

Was könnte man besser machen?

Carina wird dann auch noch Tipps und Input zum Storyboard geben und vielleicht ein bisschen etwas über ihre eigene Praxis erzählen, insbesondere über die Recherche, die für eine gut erzählte Bewegtbild-Reportage nötig ist. Aufgabe für die dritte Sitzung ist es, die Einstiegs-Szene (stärkste Szene oder Schlüsselszene) als Sequenz darzustellen (Minimum drei Einstellungen, Maximum sechs).

Bei Fragen bitte die Kommentarfunktion nutzen, so dass alle von der Antwort profitieren können.

Ihr könnt dann auch schon in der Stunde mit Anna Carina das Storyboard anlegen/anfangen – wenn ihr wollt.

Die Informations- & Erzählebenen im Bewegtbild

1. Bildliche Ebenen

Das (Kamera-)Bild

Schrift oder Text im Bild, z.B. „Studentenhaus“ an der Außenfassade

Schrift zusätzlich zum Bild, z.B. Schrifttafeln (wie im Stummfilm) oder Bauchbinden

2. Akustische Ebenen

Atmosphäre: natürlicher Ton, der zum Bild gehört (Straßenlärm, Tastaturklappern eines Computers, etc.)

Kommentar: Über die Atmo gesprochener Text

O-Ton: Gesprochener Text in die Kamera (durch Interviewpartner oder den Journalisten/die Journalistin selbst)

Musik

„Der gute Magazinbeitrag“ (Wolfgang Günther)

Erlebniswert –> Zeitlichkeit, Aufbau, Timing

„da war ich richtig mit dabei…“

Menschliche Nähe –> Personalisierung, Situationen

„da habe ich jemanden kennen gelernt…“

Empathie –> Sequentielle OT, Situationen

„mit dem konnte ich richtig mitfühlen…“

Spannung –> Sequenzaufbau

„da hab ich mitgefiebert…“

Neugierde –> Expositionsprinzip: Anmod/Filmanfang

„da bin ich aber mal gespannt…“/„das will ich jetzt wissen…“

Literatur

Kramer, Mark/Call, Wendy (2007): Telling True Stories. An Nonfiction Writers‘ Guide. Nieman Foundation at Harvard University. New York, Plume. *** (17 $, USA)

Haller, Michael (2008): Die Reportage. Konstanz, UVK. ** (19,99 €)

Orloff, Martin/Wachtel, Stefan (2009): Texten für TV. Ein Leitfaden zu verständlichen Fernsehbeiträgen. 3., überarbeitete Auflage. München, TR-Verlags-Union.** (19,99 €)

Witzke, Bodo/Rothaus, Ulli (2010): Die Fernsehreportage. 2., überarbeitete Auflage. Konstanz: UVK. (29,99 €) **

Bösch, Marcus et al. (Hg.)(2012): Kill Your Darlings. Handbuch für die Journalistenausbildung. Journalismus: Theorie und Praxis, Band 19. Berlin, LiT-Verlag. (19,90 €) **

*** unbedingt kaufen, geht nicht ohne!

** sehr zu empfehlen

* als zusätzliche Lektüre gut geeignet

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