Recherche

Recherchegrundlagen bei P7S1: Jahrgang S2016

20160905_171612
Kann man auch als Recherche-Motto nehmen: im „Betahaus“ von P7S1, München

Zum ersten Mal hat der Volo-Auftakt in den neuen Räumen des „Betahauses“ stattgefunden und dann gleich noch mit dem neuen Beauftragten für die Young Talents des Senders, Dieter Mischke. Die Bedingungen dort erwiesen sich als sehr gut und es waren interessante und lehrreiche drei gemeinsame Tage. Hier die Schnellzusammenfassung, damit nichts verloren geht:

1. Aktives Zuhören

Grundlage und Arbeitshaltung für gute Recherche. Diese Haltung, die wir gleich mit dem Einstieg in die drei Tage gelernt und verinnerlicht haben, sollte jeden und jede bei der journalistischen Arbeit ab jetzt  begleiten. Auch die Arbeit in der Fotoredaktion oder der Unternehmenskommunikation kann durch aktives Zuhören eine neue Qualität gewinnen.

2. Be first. But first be right

Dieser Leitsatz eignet sich, um ihn sich ganz generell zu merken, für das weitere (Arbeits-)Leben. Ob als Social-Media-Redakteur der Redaktion taff oder als Unternehmenssprecherin von P7S1: Schnell sein ist gut, aber lieber nochmal alle Fakten checken, bevor ihr an die Öffentlichkeit geht. Diese journalistische Praxis ist zwar in den USA und UK weiter verbreitet als hier, aber ich hoffe, ihr könnt ab und zu eine Fact-Checking-Einheit in eurer Redaktion einlegen. Oder Fact-Checking im Sinne eines Qualitätssicherungsinstruments in eure Büros einbringen. Hier nochmal die Infos, die man immer checken kann:

  • Titel & Funktionen
  • Namen, Aussprache von Namen
  • Orte
  • Fremdwörter, Übersetzungen
  • Schlussfolgerungen
  • Zitate
  • Personen (Herkunft, Alter, etc.)
  • Superlative!
  • Vergleiche

3. Recherche-Impulse

Am Anfang des Seminarblocks haben wir uns überlegt, wo überall Impulse für eine Recherche herkommen können:

  • privater Alltag
  • durch andere Medien, ausländische Medien (hier unbedingt: Fakten checken!)
  • Agenturen
  • Auftrag aus der Redaktion
  • Pressemitteilungen
  • Social Media
  • Studien, Statistiken
  • Zuschauer(redaktion)
  • Ereignisse
  • Informanten

Bitte beachtet, dass Informationen oft mit einem Hintegrundinteresse an euch weitergegeben werden. Manchmal ist es ganz einfach der Wunsch, ein Thema, eine Person oder ein Unternehmen in den Medien unterzubringen. Manchmal aber auch soll einer Person oder einem Unternehmen geschadet werden oder derjenige, der die Info an euch heranträgt, hat versteckte, nicht ganz klare Interessen. Eine guter Rechercheur weiß um diese Interessen und kann dadurch die Infos besser einschätzen.

4. Besser Googlen

Zuallererst einmal: Ja, es gibt auch andere Suchmaschinen. Hier findet ihr einen Artikel mit einer Liste von Google-Alternativen (Hochschule der Medien Stuttgart). Meine drei Favoriten zum Ausprobieren sind:

  1. DuckDuckGo
  2. Bing
  3. Qwant

Schaut auch bei diesen Suchmaschinen unbedingt in die erweiterten Funktionen und die Sucheinstellungen, um ihr volles Potential zu entfalten.

Bei Google haben wir vor allem die Sucheinstellungen für die Recherche optimiert: Für die meisten ist es angenehmer, sich mehr als 10 Suchergebnisse pro Seite anzeigen zu lassen sowie immer einen neuen Tab zu öffnen, sobald man auf ein Suchergebnis klickt. Außerdem habt ihr gelernt, nicht nur den allgemeinen Suchschlitz zu verwenden, sondern auch Spezialsuchen von Google zu benutzen, wie z.B.

  • Google Books (für die weltweit umfassendste Index-Suche in Büchern)
  • Google Scholar (für die Suche in wissenschaftlichen Texten)
  • Google Images (Bildersuche –> hier kann man über das Kamera-Icon auch Bilder von der Festplatte hochladen und mit weiteren Versionen im Google-Netz vergleichen, z.B. für die Bildverifikation)

Wichtig für die zielgenaue Recherche ist der Einsatz von Operatoren. Die bekanntesten, die fast jeder schon mal genutzt hat, sind die Anführungszeichen „Max F. Ruppert“ oder der Operator OR; eine Übersicht über die wichtigsten Operatoren findet ihr auf dieser Google-Seite. Als kleine Erinnerung hier  noch mal der Operator filetype:, mit dem ihr spezielle Dokumente zu einem Suchbegriff finden könnt. „Max F. Ruppert“ Filetype:pdf findet alle PDFs, die exakt den Namen „Max. F. Ruppert“ enthalten. Gleichsam funktioniert der filetype-Operator für folgende Dokument-Arten: .doc, .xls, .ppt(x), .swf, .rtf, .kmz (Google Earth KMZ), .kml (Google Earth KML), .ps (Adobe Post Script).

5. Facebook Graphsearch

Um die semantische Suche von Facebook nutzen zu können, müsst ihr euch mit eurem FB-Account einloggen und in den Einstellungen die Sprache auf English (US) stellen. Die Graph Search funktioniert derzeit nur in dieser englischen Sprachversion. Danach könnt ihr im Suchschlitz viele verschiedene Anfragen stellen. Hier erklärt Facebook selbst diese mächtige Social-Network-Suche. Anhand von 90 Beispielanfragen auf der Seite Wollmilchsau seht ihr die Struktur dieser Suche.

6. Wem gehört die Internetseite? Wer steckt hinter der Firma? Was ist das für ein Verein?

Hier sind wir einige Schritte durchgegangen, um mehr über Internetseiten und Firmen herauszufinden. Fangen wir mit den Firmen an: Im bundesweit geführten Online-Handelsregister sind Infos über alle GmbHs und andere eintragungspflichtige Kapitalgesellschaften, aber auch Vereine (e.V.) digital hinterlegt. Dort kann man über die „normale Suche“ schon einiges rausfinden, ohne registriert zu sein. Für das Herunterladen von allen zugänglichen amtlichen (!) Dokumenten (z.B. der Gesellschaftervertrag bei einer GmbH) ist eine Registrierung beim gemeinsamen Registerportal der Länder nötig. Wer öfter im Wirtschaftsbereich oder über Firmen recherchiert, sollte sich dort kostenlos registrieren.

Bei der Suche nach dem „Eigentümer“ einer Webseite mit der Endung .de hilft die Seite der deutschen Top-Level-Domain-Verwaltungsorganisation DENIC weiter. Für alle anderen Top-Level-Domains gibt es eine Seite der us-amerikanischen IANA (Internet Assigned Numbers Authority), auf der eine Liste sämtlicher Domain-Endungen zu finden ist. Über die verlinkten (blauen) Endungen gelangt ihr zu der entsprechenden Organisation für die jeweilige Endung (z.B. nic.at für österreichische Seiten). Hier müsst ihr dann die WHOIS-Suche finden, die euch meistens die Daten desjenigen anzeigt, der die Seite registriert hat. Etwas einfacher geht es über die Seite WHOIS.org, die aber nicht immer gute Ergebnisse bringt.

7. Twitter als Recherche-Tool

Twitter eignet sich journalistisch vor allem um

  • Themen und Diskussionen im Auge zu behalten,
  • Bilder und Schilderungen von aktuellen Ereignissen zu bekommen,
  • Augenzeugen bzw. Protagonisten für die eigenen Geschichten zu finden.

In unserem Fall hatt Twitter gut funktioniert, um Menschen für ein Twitter-Interview aus Mecklenburg-Vorpommern nach der Landtagswahl zu rekrutieren bzw. um Fans der DFB-Elf zu finden, die beim Länderspiel #NORGER im Stadion in Oslo waren. Twitter eignet sich auch für News aus der Promi-Welt. Fast jeder Star, der etwas auf sich hält, twittert heute (legendär die Tweets von @TheBorisBecker oder @HansSarpei) Aber: Vorsicht vor Fake-Accounts! Das hier – könnte man auf den ersten Blick meinen – kann doch Harald Schmidt sein, oder?

Twitter-Account von @BonitoTV - so heißt die Produktionsfirma von Harald Schmidt
Twitter-Account von @BonitoTV – so heißt die Produktionsfirma von Harald Schmidt

Dem erfahrenen Twitterer fällt jedoch z.B. auf, dass hier kein „blaues Häkchen“ im Account ist – man sollte also werden. Twittert Harald Schmidt überhaupt?

Im Workshop haben wir die Einstellungen im Twitter-Account so gesetzt, dass keine gesponserten Inhalte in der Timeline auftauchen. Das Häkchen bei „anstössige Inhalte filtern“ sollte ebenso nicht aktiviert sein. Als wichtigstes journalistisches Tool haben wir dann Tweetdeck zur Verfolgung und zum Managen der Twitterfeeds kennengelernt und eingerichtet. Folgende Tools können außerdem bei der Recherche helfen:

Twiangulate – zum Analysieren von Twitter-Überschneidungen bei Followern (um Netzwerke aufzudecken)

Twbirthday – um herauszufinden, seit wann ein Twitteraccount besteht (Fake-Accounts werden meist später eingerichtet, weil sie oft auf aktuelle Anlässe reagieren).

Eingrenzen der Suche anhand von Geodaten. Das BBC Journalism College beschreibt gut, wie es mit Hilfe des Geodatendienstens mygeoposition.com geht.

Die Twitter Advanced Search solltet ihr ebenso nutzen, um die Suchen zielgenauer zu machen oder einzugrenzen.

Wenn ihr das alles bei eurer Arbeit beherzigt, habt ihr gute Chancen, dass euch sowas wie im Fall „Bluewater“ nicht passiert:

8. Sonstige Recherche-Ressourcen

Es lohnt sich beim netzwerk recherche immer mal nachzuschauen oder sogar Mitglied zu werden. Sehr informativ und lehrreich sind auch immer die Jahrestagungen des netzwerks in Hamburg. Der Kölner Medienprofessor Hektor Haarkötter betreibt die Internetseite kunstderrecherche.de, auf der ihr auf mal vorbeischauen könnt.


 

 

Recherchegrundlagen & Online-Recherche P7S1 2015 Herbst

Am Anfang dieses Kurses mit acht Teilnehmern/innen mal das Ergebnis: Unsere 10,5 selbst erarbeiteten Recherche-Grundsätze:

10 Recherchegrundsätze
10 Recherchegrundsätze

Mich freut es immer wieder, dass basale Tugenden, wie Hartnäckigkeit, Geduld, Teamwork und aktives Zuhören oder die Regel, von außen nach innen zu recherchieren bei den Volontärinnen und Volontären ankommen. In diesem Kurs wurden außerdem stark die ganz konkreten Online-Skills in den Vordergrund gerückt, wie Domain-Registries checken oder die Google-Operatoren. Zusätzlich zu den Tools und Texten aus dem Frühjahr 2015 (siehe unten), verlinke ich hier alles, was zusätzlich eine Rolle gespielt hat.

Recherche-Atmosphäre im Volo Kurs
Recherche-Atmosphäre im Volo Kurs

Hier als Liste ein paar nützliche Links aus dem Seminar:

Zur Erinnerung: Twitter-Suche mit Geodaten und Zeitbegrenzung
Zur Erinnerung: Twitter-Suche mit Geodaten und Zeitbegrenzung

Wenn es noch Rückfragen und Ergänzungen geben sollte, bin ich über das Blog jederzeit zu erreichen. Auch Euch wünsche ich, dass ihr ab jetzt aktive zuhört und ein Stück weit tiefer recherchiert als alle anderen.

Recherchegrundlagen & Online-Recherche P7S1 2015 Frühjahr

working_atmo
P7S1-Rechercheteam bei der Arbeit

Neues/offene Fragen

Bei den Seminaren stoßen wir auch mal auf interessante Aspekte der Recherche, an die ich vorher gar nicht gedacht hatte. In diesem Seminar haben wir per Zufall ein neues Recherche-Tool im Netz entdeckt, das (angeblich) alle Domain-Registereinträge zu einer E-Mail-Adresse anzeigt. Mit dem Registrator von http://www.bundesregierung.de, Thomas Kluth, funktioniert das ganz gut (thomas.kluth@bpa.bund.de). Mit anderen Mailadressen nicht so gut. Einfach mal ausprobieren:

Tag 2 & 3: Recherchieren mit Twitter

Twitter eignet sich journalistisch vor allem um

a) Themen und Diskussionen im Auge zu behalten,

b) Bilder und Schilderungen von aktuellen Ereignissen zu bekommen,

c) Augenzeugen bzw. Protagonisten für die eigenen Geschichten zu finden.

Die gilt vor allem für aktuelle Ereignisse, wie z.B. Naturkatastrophen oder Großspektakel, aber auch für News aus der Promi-Welt. Fast jeder Star, der etwas auf sich hält, twittert heute. Aber: Vorsicht vor Fake-Accounts! Das hier – könnte man auf den ersten Blick meinen – kann doch Harald Schmidt sein, oder?

Twitter-Account von @BonitoTV - so heißt die Produktionsfirma von Harald Schmidt
Twitter-Account von @BonitoTV – so heißt die Produktionsfirma von Harald Schmidt

Natürlich fällt dem erfahrenen Twitterer auf, dass hier kein „blaues Häkchen“ im Account ist – man sollte also skeptisch werden. Wie man Twitter-Accounts am besten verifiziert, kann man bei Claus Hesseling sehr schön nachlesen.

Im Workshop haben wir zuerst einmal die Einstellungen im Twitter-Account so gesetzt, dass keine gesponserten Inhalte in der Timeline auftauchen. Das Häkchen bei „anstössige Inhalte filtern“ sollte ebenso nicht aktiviert sein. Als wichtigstes journalistisches Tool haben wir dann Tweetdeck zur Verfolgung und zum Managen der Twitterfeeds kennengelernt und eingerichtet. Folgende Tools können außerdem bei der Recherche helfen:

Twiangulate – zum Analysieren von Twitter-Überschneidungen bei Followern (um Netzwerke aufzudecken)

Twbirthday – um herauszufinden, seit wann ein Twitteraccount besteht (Fake-Accounts werden meist später eingerichtet, weil sie oft auf aktuelle Anlässe reagieren).

Eingrenzen der Suche anhand von Geodaten. Das BBC Journalism College beschreibt gut, wie es mit Hilfe des Geodatendienstens mygeoposition.com geht.

Und auf so etwas wie den „Bluewater-Skandal“ solltet ihr nach den drei Tagen Workshop nicht mehr reinfallen:

Tag2: Recherchegrundsätze und Online-Recherche

Am zweiten Tag haben wir zum Abschluss diese 12 Recherche-Grundsätze festgehalten. Vorausgegangen war eine intensive Beschäftigung mit Recherchegeschichten, die erfahrene Reporter aufgeschrieben bzw. erzählt haben.

13 Recherchegrundsätze
Unsere 12 Recherchegrundsätze

Beim Recherchieren mit unser aller Lieblings-Suchmaschine Google haben wir den effektiven Einsatz von Suchoperatoren gelernt und geübt. Eine weitere interessante Google-Unterseite ist Google Trends. Hier lassen sich interessante Analysen über meistgesuchte Begriffe starten, nach Regionen und Sprachen differenziert. Manchmal kann Google Trends auch bei der Themensuche helfen („Was ist bei der Google-Suche in Azerbajdschan derzeit im Trend?“. Außerdem empfiehlt es sich auch, ab und zu mal auf Google zu verzichten. Alternative Suchmaschinen sind zum Beispiel:

Tag1: Recherche „Oldschool“

Ganz wichtig beim Recherchieren zu Menschen, Geschichten und Themen ist das Prinzip des aktiven Zuhörens! Das bedeutet, als Journalist nicht nur die vorher ausgedachten Fragen abzuarbeiten, sondern genau hinzuhören, was der Mensch gegenüber genau sagt und was er damit meint. Übrigens eine Grundhaltung, die einem in jedem Gespräch und in allen Lebensbereichen weiter hilft, nicht nur im Journalismus.

Eine weitere wichtige Grundart des Recherchierens ist das Fact-Checking. Fakten, die überprüft werden können, sind u.a.:

  • Zahlen, Mengenangaben
  • Orte, geografische Angaben
  • Vergleiche
  • Namen (!) (von Menschen, Firmen, Tieren, Pflanzen, …)
  • Funktionen, Titel, Ränge
  • Superlative

Bei der Fact-Checking-Übung haben wir nachgewiesen, dass auch Redaktionen wie die Süddeutsche Zeitung kleine bis mittlere Fehler in ihrer täglichen Regionalberichterstattung haben. Und auch bei einem Galileo-Beitrag haben wir falsche Zahlen und Zuordnungen entdeckt. Bei den Recherche-Impulsen verweise ich auf die Liste aus dem Vorgängerjahrgang.

 Recherche-Grundlagen & Online-Recherche 2014

Intensive Arbeitsatmosphäre im Recherche-Workshop P7S1-Volos
Intensive Arbeitsatmosphäre im Recherche-Workshop 2014 der P7S1-Volos

Tag 3: Online recherchieren

Auch die Onlinerecherche ist kein Hexenwerk, man kann vieles durch Training und Ausprobieren lernen. Und auch online gilt:

  • Offenes Visier, gerade bei Protagonisten-Suchen auf Facebook oder in Foren keine Fake-ID’s verwenden!
  • Ehrlichkeit: Führt einen echten Dialog und sagt den Online-Gesprächspartnern, wer ihr seid/was ihr wollt.
  • „Von außen nach innen“: Macht euch gerade online Gedanken, wer von eurer Recherche zu welchem Zeitpunkt erfährt, denn ihr hinterlasst bei jedem Seitenaufruf Datenspuren.
  • Tipp: Einen Browser gezielt NUR für Recherche verwenden. Die meisten PlugIns, die bei der Recherche helfen, gibt es für den Firefox-Browser von Mozilla. Ein Plugin, das ich empfehle: Netcraft Toolbar

Und hier noch zum Thema „Recherchieren mit Twitter“ einen Link zum BBC-College. Hier habe ich die ziemlich coole Geodaten-Suche her sowie die zeitbasierte Suche, die man direkt im Suchschlitz von twitter.com eingeben kann.

Die Präsentation zum Online-Teil: Tag 2 und 3

Die Präsentation von Tag 1

Aktives Zuhören als Grundprinzip

Das aktive Zuhören, bei dem man sich selbst als „drängelnder Journalist“ zurücknehmen sollte und genau hinhört, was der Mensch gegenüber zu sagen hat, ist eine Grundvoraussetzung für

a) gute Interviews

b) das Aufspüren von Geschichten

c) gute & tiefe Recherche.

Viele Geschichten bleiben unentdeckt und werden nicht erzählt, weil Journalisten/innen die eigentlich interessanten Dinge, die ein Mensch sagt, nicht beachtet, sondern nur seinen/ihren Fragenkatalog abarbeitet.

Recherche-Impulse: So können Recherchen anfangen

  • Berichterstattung in anderen Medien
  • eigenes Netzwerk/Bekannte
  • Alltag, am besten „jenseits der Komfortzone“
  • Pressemitteilungen
  • aus der Redaktion
  • Jubiläen/Jahrestage
  • Informanten
  • tagesaktuelle Ereignisse

Gemeinsame Recherche-Grundsätze am Ende von Tag 1

  • Akribisch vorgehen
  • Fakten checken
  • Quellen auf Glaubwürdigkeit überprüfen
  • Recherche dokumentieren
  • Von außen nach innen recherchieren
  • Netzwerke aufbauen und nutzen
  • Nur Primärquellen verwenden
  • Hartnäckigkeit und langer Atem
  • Recherche planen (was ist der schwierigste Brocken? Womit fange ich an?)
  • Recherche juristisch absichern
  • Teamarbeit anstreben
  • „Kill your Vorurteil“
  • Interessen hinterfragen
  • Perspektivenwechsel auf das Thema
Wir sind „on brain“ bevor wir „on air“ gehen! Detail überm Eingnag zur P7S1-Academy
Wir sind „on brain“ bevor wir „on air“ gehen! Detail überm Eingang zur P7S1-Academy

Zu den Drehterminen im August 2014 an der ems in Potsdam

Konzepte für die Drehs  bitte bis spätestens zum 4. Juli per Mail schicken!

Für Dreh Nr.1  am 6. August 2014  an: Raimund Stündel r.stuendel@t-online.de

Für Dreh Nr. 2 am 19. August 2014 an: Jakob Bienheim jb@bienheim-media.de

Die Konzepte sollten einen Kurzabriss der Geschichte in fünf bis sechs Sätzen enthalten (Was will ich erzählen?), basierend auf der ersten Recherche zum Thema. Protagonisten, Besonderheiten des Drehorts, eventuell benötigte Zusatztechnik sollten in „Stichpunkten zur Umsetzung“ angegeben werden.

Fragen aus dem Workshop

1. Es kam die gute medienrechtliche Frage auf, wie bei Interviews mit Minderjährigen umzugehen ist. Zwar nicht ganz das Kernthema des Recherche-Workshops. Aber hier ein kurzer Überblick: Auf der Seite Journalistenrecht – 40 brisante Fragen aus dem Alltag plädieren Frank Fechner und Axel Wössner dafür, sich auf jeden Fall bei Interviews mit Minderjährigen auch die (schriftliche) Zustimmung der Eltern zu besorgen. Das nennt man die sogenannte  Doppelzuständigkeit von Eltern und Minderjährigen, die insbesondere bei Verträgen gilt. Im Fall einer 17-jährigen Gymnasiastin, die alleine im Urlaub auf Ibiza ein Oben-Ohne-Foto für Obst und Wein von sich machen ließ, das später in einem Reiseprospekt veröffentlicht wurde, nimmt das OLG Karlsruhe allerdings an, dass die Schülerin ihre Entscheidung für das Foto und die Veröffentlichung durchaus selber treffen durfte. Allerdings haben die Eltern ein Mitspracherecht bei der Vertragsvereinbarung:

Ausschnitt aus dem Buch
Ausschnitt aus dem Buch „Die Einwilligung im Privatrecht“ von Ansgar Ohly

Eine gute und knappe Zusammenfassung vieler Rechtsfragen im Zusammenhang mit Recherche und Berichterstattung findet sich im Upload Magazin

2. „Muss ich im Bewegtbild-Beitrag immer die Quellen für bestimmte Behauptungen, Zahlen, etc nennen, so wie mit einer Fußnote im Printbereich?“ – diese berechtigte Frage kam auf und auch sie lässt sich nicht pauschal beantworten. In einer kurzen Diskussion haben wir erläutert, dass sich die Quelle oft elegant durch das entsprechende Bild zum Text zeigen lässt, z.B. können Aufnahmen aus dem entsprechenden Labor/Institut/Büro gezeigt werden, wenn von Ergebnissen einer Studie die Rede ist, oder das Deckblatt der Studie. Dann verknüpft der Zuschauer automatisch die im Text gegebenen Infos mit der Quelle.

Bei allgemein bekannten Infos, wie „Deutschland hat 82 Millionen Einwohner“, muss keine Quellenangabe erfolgen. Aber ansonsten ist es für den Zuschauer/die Zuschauerin immer ehrlicher und informativer, wenn Bezugsgrößen, Quellen und Hintergründe so transparent wie möglich gemacht werden. Auch in Bewegtbildbeiträgen!

Advertisements

5 Gedanken zu “Recherche

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s