Filmlese-Empfehlung: Polnische Filmklassiker (in eigener Sache)

Ein schönes Buchprojekt zu den Klassikern des polnischen Films hat mir jetzt zu einem ersten Ausflug in die Welt der Filmwissenschaft verholfen. Und das im Jahr, in dem es mit „Ida“ den ersten Oscar für einen polnischen Film gegeben hat! In dem Buch werden 25 Filme mit kurzen Beiträgen beschrieben, die als „Klassiker“ aus unserem Nachbarland gelten können.

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Weil ich eine besondere Beziehung zu Andrzej Wajdas Film „Kanał“ habe, hatte ich einen Beitrag über diesen eindrucksvollen s/w-Film vorgeschlagen und dann auch schreiben dürfen. Jetzt ist das Buch nach einem ziemlich peniblen Redigaturprozess erschienen. Herausgegeben von den beiden Cottbuser Medienwissenschaftlern Peter Klimczak und Christer Petersen, zusammen mit Christian Kampkötter (Uni Passau). Die Liste der 25 Filme gibt es hier.

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Mein Prädikat: Für filminteressierte Polen und poleninteressierte Filmophile ein schönes Büchlein fürs Regal, zum Nachschlagen und auf den Stand bringen. Und: Wer irgendwann mal einen polnischen Filmklassiker aus den Jahren 1945-2000 vorstellen muss, z.B. in einem Schulreferat, wird an dem Buch seine Freude haben.

„Schlacht in Praga“: Geschichtliche Verwicklungen am Rand der EM

Im Vordergrund die Weichsel: Heute friedlich, vor über 200 Jahren Schauplatz der "Schlacht um Praga"
Warschau, östliches Weichselufer: Heute friedlich, vor über 200 Jahren Schauplatz der „Schlacht um Praga“

Ein Tweet meines polnischen Journalistenkollegen Cezary Gmyz, der bei der konservativen Zeitung Rzeczpospolita (Repubik) arbeitet, macht mich auf eine unglaubliche Randgeschichte der EURO2012 aufmerksam. Und auf eine Schlacht, die vor fast 220 Jahren an derselben Stelle stattfand, an der heute das Nationalstadion in Warschau steht. Es geht bei dieser Schlacht auch um die heutigen Gegner im Schicksalsspiel der Gruppe A: Polen und Russland. Und es geht um einen elektronischen Reiseführer.

Diplomatische Einmischung in einen Stadtführer

Extra zu EURO hatte die Vereinigung Monopol Warszawski  einen Reiseführer (=Przewodnik) für den heute hippen Stadtteil Praga, östlich der Weichsel herausgegeben. Dieser Stadtteil war allerdings vor fast 220 Jahren auch Schauplatz eines blutigen Gemetzels, nämlich der Schlacht von Praga, bei der russische Zarentruppen nach Schätzungen von Historikern rund 20.000 Polen töteten, Soldaten, Zivilisten, Frauen und Kinder. Dieses Massaker am östlichen Weichsel-Ufer war trauriges Ende des Kościuszko-Aufstandsbenannt nach dem damals inhaftierten polnischen General Tadeusz Kosciuszko. An diese Schlacht erinnert auch ein Kreuz in Praga und eine Tafel. Und im englischen und im polnischen Stadtführer sind die Erinnerungsorte und die Geschichte der Schlacht kurz beschrieben. In der russischen Version allerdings kein Wort davon. Wie die Journalisten des Internet-Portals TVN24.pl herausgefunden haben, hat der russische Botschafter in Polen, Aleksandr Nikołajewicz Aleksiejew, interveniert und verlangt, dass die Schlacht nicht im Stadtführer dargestellt wird. Die russische Sicht auf die Geschichte ist eben eine komplett andere. Von Massaker oder Gemetzel will die russische Seite nichts lesen. Der Tourismus-Verband, der den Reiseführer gern auch auf russisch veröffentlichen will, arbeitet jetzt an einer neuen Version. Eigentlich ein kleiner Skandal, ganz am Rande der EURO. Aber das zeigt, wie „heiß“ und vorsichtig man im Verhältnis der beiden Länder sein muss – genauso wie im Verhältnis von Deutschland zu Polen übrigens.

Hansi Flick und sein Stahlhelm

Deshalb fand ich es auch zumindest unsensibel, als der deutsche Co-Trainer Hansi Flick in einer Pressekonferenz von „Stahlhelmen“ sprach, die die deutschen Spieler gegen Portugal aufziehen sollten. Journalistisch kreativ war in dieser Sache übrigens der Tagesspiegel, mit „Ein paar Tipps für Hansi Flick„.

Aber lassen wir’s gut sein: Heute sind die Russen dran, wieder in Praga. Denn dort steht auch das neue polnische Nationalstadion, in dem heute sportlich miteinander gekämpft wird.

P.S: Meine polnischen Freunde schreiben mir in Mails „walczimy“ – wir kämpfen und fordern mich zum Daumendrücken auf. Das mache ich natürlich, auch wenn es wohl nicht einfach wird, für die weiß-roten, die „biało-czerwoni“!

P.S.S: Aus dem polnischen Artikel auf der Seite von tvn24.pl konnte ich leider nicht genau entnehmen, ob es sich bei dem Stadtführer um einen Audio-Guide, eine Webseite oder eine gedruckte Version handelt. Jedenfalls ist von einem „e-przewodnik“, also einem „e-Stadtführer“ die Rede.

Video zum EM-Start: Was wissen Deutsche und Polen vom Nachbarn // Na poczatek EURO: Co wiedzą Niemcy o Polsce i odwrotnie?

Für die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit bin ich in Zielona Góra und Cottbus auf die Straße gegangen, um zu sehen, wie es um das Allgemeinwissen über das jeweilige Nachbarland steht, kurz vor der EURO 2012. Ich habe Fragen wie „Nennen Sie mir drei polnische Vornamen“ oder „Wie heißt der deutsche Bundespräsident?“ (Damals war es übrigens noch Wulff) gestellt. Alles ist auf Deutsch und Polnisch gleichzeitig zu verstehen, durch Untertitel!