Filmlese-Empfehlung: Polnische Filmklassiker (in eigener Sache)

Ein schönes Buchprojekt zu den Klassikern des polnischen Films hat mir jetzt zu einem ersten Ausflug in die Welt der Filmwissenschaft verholfen. Und das im Jahr, in dem es mit „Ida“ den ersten Oscar für einen polnischen Film gegeben hat! In dem Buch werden 25 Filme mit kurzen Beiträgen beschrieben, die als „Klassiker“ aus unserem Nachbarland gelten können.

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Weil ich eine besondere Beziehung zu Andrzej Wajdas Film „Kanał“ habe, hatte ich einen Beitrag über diesen eindrucksvollen s/w-Film vorgeschlagen und dann auch schreiben dürfen. Jetzt ist das Buch nach einem ziemlich peniblen Redigaturprozess erschienen. Herausgegeben von den beiden Cottbuser Medienwissenschaftlern Peter Klimczak und Christer Petersen, zusammen mit Christian Kampkötter (Uni Passau). Die Liste der 25 Filme gibt es hier.

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Mein Prädikat: Für filminteressierte Polen und poleninteressierte Filmophile ein schönes Büchlein fürs Regal, zum Nachschlagen und auf den Stand bringen. Und: Wer irgendwann mal einen polnischen Filmklassiker aus den Jahren 1945-2000 vorstellen muss, z.B. in einem Schulreferat, wird an dem Buch seine Freude haben.

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Ida und Oscar?

Ein Film, der manchmal als „kleiner Film“ beschrieben wird, könnte aus der Oscar-Nacht am 22. Februar als großer Gewinner hervorgehen: „Ida“ von Regisseur Paweł Pawlikowski hat es unter die Nominierten in gleich zwei Kategorien geschafft: Bester nicht-englischsprachiger Film und beste Kamera. Der Grund dafür, dass manche Journalisten den Film „klein“ nennen, liegt wohl an seiner ruhigen, aber intensiven Erzählweise, vielleicht an den stilistischen Eigenheiten: Schwarz-weiß, gerade einmal 80 Minuten lang, keine Kamerabewegungen, nur feste Einstellungsgrößen, ruhige Bilder. Ich finde: Ein ganz großer „kleiner“ Film.

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Wajdas Kanal und Rudis Tagebuch

"Strokrotka" und "Korab" vor dem verschlossenen Kanalausgang (Teresa Iżewska, Tadeusz Janczar)
Keine Rettung: „Strokrotka“ und „Korab“ vor dem verschlossenen Kanalausgang (Teresa Iżewska, Tadeusz Janczar|Screenshot „Der Kanal“)

Auch Rudi Dutschke hat den Film gesehen und war zumindest so beeindruckt, dass er ihm einen Tagebucheintrag widmete: Es geht um Der Kanal (1956) von Regisseur Andrzej Wajda. Zufällig habe ich gerade die Tagebücher (1963-1979) von Rudi Dutschke gelesen und bin über dieses Detail gestolpert, weil ich mich Anfang dieses Jahres intensiv mit diesem polnischen Filmklassiker beschäftigt habe, für einen Buchbeitrag (kommt im Oktober 2014 raus, PDF-Download weiter unten). Weil sich dieses Jahr der Warschauer Aufstand gegen die deutschen Besatzer zum 70. Mal jährt und angestoßen durch Rudis Tagebucheintrag, stelle ich mein Manuskript als PDF-Download am Ende des Textes zur Verfügung. Rudi war zum Zeitpunkt des Kinobesuchs 23 Jahre alt.

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